Politischer Salon

event: Die Qual zu leben und nicht Gott zu sein: Vom Opfer zum Deal
datum: Freitag, den 4. Dezember  2009
Uhrzeit: 20:00 Uhr
Kurzbeschreibung: Politischer Salon mit Herfried Münkler
Ausgehend von Themen und Fragen, die auf der Bühne in der Spielzeit 2009/2010 verhandelt werden, diskutieren wir Probleme und Konflikte unserer Gegenwart. Fünfmal in der Spielzeit 2009/2010 empfängt der Politikwissenschaftler Herfried Münkler Gäste aus Forschung, Politik und Kultur

Location: Marstall

Beschreibung:

Münkler geht ins Theater
Politischer Salon mit Herfried Münkler
Ausgehend von Themen und Fragen, die auf der Bühne in der Spielzeit 2009/2010 verhandelt werden, diskutieren wir Probleme und Konflikte unserer Gegenwart. Fünfmal in der Spielzeit 2009/2010 empfängt der Politikwissenschaftler Herfried Münkler Gäste aus Forschung, Politik und Kultur.

2. Salon 4. Dezember 2009 20.00 Uhr Marstall
Die Qual zu leben und nicht Gott zu sein: Vom Opfer zum Deal

Herfried Münkler diskutiert über Chancen und Risiken unserer postheroischen Gesellschaft
mit Jens Malte Fischer und Gunnar Heinsohn

Herfried Münkler geht im zweiten politischen Salon von der Figur der Alkestis aus. Im Mythos ist das menschliche Schicksal noch in der Hand der Götter: König Admetos soll sterben, doch Apollon kann erwirken, dass sein Tod aufgeschoben wird, wenn er einen Stellvertreter aufbringen kann. Zuerst denkt Admetos an seine Eltern, stehen sie doch eh aufgrund ihres Alters schon mit einem Bein im Grab respektive Hades. Doch die Eltern wollen das bisschen Zeit auf Erden, das ihnen bleibt, nicht hergeben. Seine junge Frau Alkestis ist es schließlich, die ihr Leben für Admetos gibt.
Wo sind in unserer Welt Alkestis’ Nachfahren? Heute ist das Opfern zur negativ besetzten Geste geronnen. Der halbwegs gescheite Mensch der Gegenwart opfert nicht, er dealt. Er gibt mit der einen Hand –

und hält die andere hin, die Gegenleistung zu empfangen. Die Auslöschung des Mythos ist doppelt vollzogen: Nicht nur, dass Geld als irdischer Bezugswert anstelle eines höheren, auf Ehre, Moral oder Liebe gründenden getreten ist. Zum anderen haben wir, der säkularisierte Westen, die Götter längst hinter uns gelassen. Seit der Aufklärung nehmen wir unser Schicksal selbst in die Hände: Jeder ist seines Glückes eigener Schmied! Sind wir also zu narzisstischen Zombies geworden? Oder haben wir uns nicht Gott sei Dank davon befreit, im Namen von Ideologien, Glaubensfragen und vorgeschobenen Werten für die Machtsicherung einzelner zu bluten? Ist unsere postheroische Gesellschaft Segen oder Fluch?

Herfried Münkler ist Professor für Theorie der Politik und Direktor des Instituts für Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Der „Ein-Mann-Think-Tank“ (Jörg Lau in der ZEIT) veröffentlichte u.a. „Die neuen Kriege“ (2002) und „Imperien – Die Logik der Weltherrschaft“ (2005) und ist einer der gefragtesten Politikberater Deutschlands. Im März wurde er für sein neuestes Buch „Die Deutschen und ihre Mythen“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2009 in der Kategorie Sachbuch/Essayistik ausgezeichnet.

Prof. Jens Malte Fischer lehrte bis zu seiner Emeritierung 2009 Theaterwissenschaft an der LMU München. Wichtige Veröffentlichungen zu musikwissenschaftlichen Themen, u.a. zur Oper, zu Mahler, Kleiber, Wagner. Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Prof. Gunnar Heinsohn ist Soziologe, Ökonom und Gründer des Raphael-Lemkin-Instituts für Xenophobie- und Genozidforschung an der Universität Bremen.

Beginn 20.00 Uhr
Karten unter 089-2185 1940