Yuri Leiderman @ Galerie Traversée

event: Ausstellungseröffnung
datum: Donnerstag, den 21. Januar 2010
Uhrzeit: ab 19:00 Uhr
Kurzbeschreibung: Galerie Traversée
Location: traversée zeitgenössische Kunst e.K., Türkenstrasse 11

Beschreibung:

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Eröffnung: Donnerstag, 21. Januar 2010, 19.00 – 21.00 Uhr

Einführung durch den Kritiker und Kurator Dr. Heinz Schütz um 19.30 Uhr
Ausstellung: 21. Januar – 28. Februar 2010

Die Erwartung, die die westliche Kunstwelt gewöhnlich an russische Künstler richtet ist, dass sie russische Kunst produzieren und präsentieren. Leiderman ist sich dessen bewusst. In seiner letzten Ausstellung “Die Ehre hüt von Jugend auf”, ließ er einen Roman Puschkins von drei in Folklorekostüme gekleidete Frauen auf Russisch vorlesen. Die Essener Arbeit ist Teil seiner “Geopoetik”, in der er gleichsam qua Hyperaffirmation die Konstruktion nationaler Identiäten unterminiert. Hier, wie häufig und insbesondere auch in seiner Münchner Ausstellung, konstruiert Leiderman eine Art Metastruktur, in die er seine Arbeiten einfügt. Das heißt, er begnügt sich nicht damit, die Syntax des White Cube mit seinen leeren Wänden zu reproduzieren, sondern er entwickelt eigene und evoziert bestehende syntaktische Kontexte. Im Fall der erwähnten Kefirarbeit ist es das System wissenschaftlicher Klassifikation und Präparation, immer wieder greift er auf Diagramme zurück, in Essen er war es ein Schiff, das seine Fotos transportierte. In München nun rekurriert er auf die Tradition russischer Ikonen und situiert sich sozusagen im Kontext der russischen Kunst, oder besser: in einer Felslandschaft, die als Stereotyp der russischen Ikonentradition entstammt. Leiderman baut die sonst gemalten Gebirgsfelsen dreidimensional nach und stellt sie in den Raum.
Während die Felsen im Rahmen der Ikonenmalerei, auf eine “höhere Realität” verweisen, werden sie, in dem Augenblick, wo sie, wie bei einem Experiment, in die Realität des wirklichen Raumes überführt werden zur Karikatur ihrer selbst und zur Konstruktion. Die ikonische Bergkonstruktion verwendet Leiderman als eine Art von persönlichem Propagandakiosk auf dem er eigene Schriften und Postkarten, die meisten von ihnen bisher unveröffentlicht, in der Tradition der “samizdat” präsentiert. Selbstedierte Publikationen in winziger Auflage waren einst eine Reaktion auf die sowjetische Zensur. Der Anbruch der kapitalistischen Zeit, verschob die Frage, wer was publizieren kann auf eine andere Ebene.
Auszug aus Heinz Schütz: ?Wenn das Eis knackt – Yuri Leiderman´s Kür“.

Dr. Heinz Schütz ist freier, in München lebender Kunstkritiker / Publizist / Kurator; u.a. Autor von “Stadt.Kunst” und Kurator
des internationalen Recherche- und Ausstellungsprojektes “Performing the City”; seit 1985 ist er ständiger Korrespondent
der Zeitschrift ?Kunstforum International“