Candida Höfer / David Claerbout @ Galerie Schöttle

event: Ausstellungseröffnung
datum: Donnerstag, den 25. März 2010
Uhrzeit: ab 19:00 – 21:00 Uhr
Kurzbeschreibung: Candida Höfer / David Claerbout
Location: Galerie Rüdiger Schöttle, Amalienstraße 41, 80799 München

 

Beschreibung:

 

Candida Höfer, Goethe-Nationalmuseum Weimar II 2006

Candida Höfer, Goethe-Nationalmuseum Weimar II 2006

Candida Höfer

Candida Höfer zählt unumstritten zu den führenden internationalen Fotokünstlerinnen der Gegenwart. Thema ihrer Arbeiten sind zumeist menschenleere Innenräume von künstlerischer und kultureller Bedeutung – Orte des Wissens, der Bildung und des Kunstgenusses wie Bibliotheken und Museen, repräsentative Säle irdischer und himmlischer Macht in Palästen und Kirchen oder kulturelle Begegnungsstätten wie die Foyers und Zuschauersäle der bekannten Theater und Opernhäuser.
Candida Höfers großformatige Fotografien sind meist betont sachlich konzipiert. Ihre Motive entwickelt sie bevorzugt aus der Zentralperspektive heraus oder sie führt die Kamera in eine Art ideale Diagonale. Im Vordergrund steht dabei nicht der Wiedererkennungseffekt der prominenten Räume, sondern vielmehr die durch die Wahl des Bildausschnitts sich ergebende bildnerische Gestaltung. Was auf den ersten Blick in seiner Perfektion zunächst unspektakulär erscheint, enthüllt bei genauerer Betrachtung ein die Architektur durchdringendes Ordnungssystem, das bis in die Tiefe des Bildes präzise wiedergegeben wird. Zufällig eingestreute Attribute wie ein liegen gebliebenes Buch, ein stehen gebliebener Eimer oder eine verschobene Absperrung durchbrechen die strikte Ordnung und verweisen auf die eben noch da gewesene Präsenz des Menschen.
Titelbild der Ausstellung ist das bekannte Junozimmer des Goethe-Nationalmuseums in Weimar. Augenfang des museal anmutenden Wohnsalons ist die große Gipsportraitbüste einer römischen Kaiserin, vormals bekannt als Juno Ludovisi. In strenger Komposition stellt uns Candida Höfer dieses lichte und klare menschenleere Zimmer vor und lässt in ihm den Geist der Aufklärung nahezu spürbar werden.
Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden Arbeiten aus Paris, Versailles und Fontainebleau. Zum mittlerweile eigenständigen Genre der Museumsfotografie zählen Candida Höfers 2005 entstandenen Aufnahmen des Louvre. Das ursprüngliche Königsschloss und spätere Museum war immer wieder ein beliebtes Motiv für Künstler. Candida Höfer konzentriert sich auf einige der Galerien des bekannten Schlosses und Museums, darunter die Grande Galerie als von oben belichtete Zentralachse des Louvre, den Karyatidensaal und weitere Säle für Skulptur und Malerei.
Motive aus der Opéra Garnier zählen zu einer Reihe von Arbeiten, die sich den beiden großen Pariser Opernhäusern Palais Garnier und der Opéra Bastille widmen. Die Ausstellung zeigt einige ausgewählte Werke aus dem Palais Garnier, darunter die monumentale Treppe und den in Rot und Gold gestalteten Zuschauerraum, Schauplätze triumphaler Repräsentation im Stil des Second Empire.
Candida Höfer, geboren 1944 in Eberswalde, studierte in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren an der Düsseldorfer Akademie Fotografie bei Bernd Becher. Sie lebt in Köln.

 

 David Claerbout, The American Room (second movement), 2009/2010

David Claerbout, The American Room (second movement), 2009/2010

David Claerbout
The American Room (second movement)

Der belgische Künstler David Claerbout knüpft in seinen Arbeiten Verbindungen zwischen den Medien Fotografie und Film, er löst deren Grenzen auf und hinterfragt die spezifischen Charakteristika des fotografischen und filmischen Bildes: statische Fotografien werden animiert, bewegte Filmbilder verlangsamt oder zum Stillstand gebracht. Ein scheinbar wirklichkeitsgetreues Raum-Zeit-Kontinuum erweist sich als subtil digital bearbeitet und verändert und stellt die klassischen Erwartungen an das jeweilige Medium in Frage. Auch seine neue Film- und Soundinstallation „The American Room (second movement)“, die im Erdgeschoss der Galerie Rüdiger Schöttle präsentiert wird, vermittelt dem Betrachter ein eindrucksvolles audio-visuelles Erlebnis voller beunruhigender und überraschender Elemente.
„The American Room (second movement)“ zeigt das Publikum eines in intimer Atmosphäre abgehaltenen Konzerts. Die langsame Kamerafahrt durch den Raum und die surround-Soundinstallation unterstützen das Gefühl des Betrachters und Zuhörers, sich scheinbar inmitten des Konzertsaals zu befinden. Irritierend ist das Verhältnis zwischen Bewegung und Stillstand: während sich die Kamera durch den Raum bewegt, verharren die Personen regungslos. Ein Eindruck, der durch technische Raffinesse entsteht, denn die Szenerie ist komplett digital komponiert: die Personen sind nicht gefilmt sondern durch Fotos dreidimensional „gescannt“ worden, die Kamerabewegung am Computer aufbereitet. Die eingespielte Musik vermittelt durch ihren Rhythmus wiederum das Empfinden von Bewegung.
“In the American Room the relation between movement and stillness is being translated very literally into the relation between breathing and holding the breath. The moments in which we hear the singer are also those moments in which she is offscreen – moments as long as a breath can hold.”

David Claerbout
David Claerbout wurde 1967 in Kortrijk, Belgien, geboren. Ursprünglich studierte er Malerei an der Nationalen Hochschule der Schönen Künste Antwerpen, bevor er sich nach seinem Studium der Fotografie und der Filmkunst widmete. Heute lebt und arbeitet er in Antwerpen. Im Herbst 2010 wird die Pinakothek der Moderne in München eine große Einzelausstellung präsentieren.