Euro Renovation in Europe

eventEuro Renovation in Europe @ kunstraum
datum: 08. April 2010
Uhrzeit: siehe Öffnungszeiten
Kurzbeschreibung: Vom 8. April bis 23. Mai 2010 zeigt der kunstraum muenchen eine Ausstellung der ukrainischen Künstlergruppe R.E.P.
Location: Kunstraum München, Holzstr. 10

Beschreibung:

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R.E.P. –

EURO RENOVATION IN EUROPE

Ausstellungsdauer:
8. April bis 23. Mai 2010

Eröffnung:
*Mittwoch, 7. April, 19 Uhr
Die Künstler/innen sind anwesend.

Weitere Termine:
*Donnerstag, 29. April, 20 Uhr: Dokumentarfilme der Künstlergruppe R.E.P. “Presentation of Kyiv Art Academy” (2006) und “Presentation of National Union of Artists of Ukraine” (2007), kunstraum muenchen

*Freitag, 21. Mai, 19 Uhr: “Kiew – Stadt ohne Menschen? Planungen und Perspektiven im ukrainischen Wunderland”, Vortrag von Pawel Welitschko, Gasteig, Vortragssaal der Bibliothek

Vom 8. April bis 23. Mai 2010 zeigt der kunstraum muenchen eine Ausstellung der ukrainischen Künstlergruppe R.E.P. (Revolutionärer Experimenteller Raum), die sich 2004 in Kiew im Kontext der „Orange Revolution“ formierte.

In der Ausstellung Euro Renovation in Europe beziehen sich R.E.P. auf eines der vielen grotesken Phänomene, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er Jahren im Zuge einer allgemeinen Begeisterung für nahezu jegliche westliche Mode in Erscheinung traten: die so genannte „Euro Renovation“, die mittels massiver Werbung in Zeitungen und Magazinen angepriesen wurde und Einzug in die Wohnzimmer der ehemaligen Sowjetunion hielt. „Euro Renovation“, eine neue Form einer „westlich“geprägten Innenausstattung, beeindruckte mit Elementen wie Deckenstuck, Säulen und Arkadenbögen mit eingepasster Beleuchtung, dekorativen Accessoires aus Plastik und künstlichem Pflanzenschmuck.

Für Euro Renovation in Europe transferiert die Künstlergruppe R.E.P. dieses eher groteske Bild an seinen vermeintlichen Entstehungsort und gibt damit das „Geschenk“ des „western way of life“ – als postsowjetische Version dieser Lebensweise zurück. Mit ihrer (Rück-)Gabe an den Westen verweist R.E.P. nicht nur auf das Pflichten-Trias (Geben, Annehmen, Erwidern) des Gabenkonzepts nach Marcel Mauss, sondern durchbricht dieses vielmehr auf ironische Weise und löst sich so aus der Abhängigkeit des „Nehmers“ gegenüber dem „Geber“.

Dieser skurrile Gabentausch zwischen Ost und West lässt fragen, inwiefern der Transfer eines westlichen Konsumismus und eines Betriebssystems Kunst wirklich als “Geschenk” an den Osten zu verstehen war. Und was konnte – und kann – sich der Westen als Gegengabe hierfür erwarten?

Neben dem eigens für die Ausstellung konzipierten Projekt „Euro Renovation in Europe“ zeigt die Künstlergruppe R.E.P. im kunstraum muenchen auch eine Dokumentation ihrer politischen Aktionen und interventionistischen Projekte seit ihrer Gründung.
Unter dem Titel „Intervention“sind fünf Aktionen der Künstlergruppe im öffentlichen Raum dokumentiert, in denen sich R.E.P. Formen des linksradikalen Aktionismus bedient und damit lautstark auf die stets marginalisierte Rolle des zeitgenössischen Künstlers in der Ukraine verweist. (Fast Art, Aktion in Coctebel, 2005, Video, 9:03 min.; R.E.P. Party, Aktion in Kiew, 2006, Video, 3:43 min.; Broadening of mind, Aktion in Kiew, 2005, Video, 3:41 min.; Untitled action, Aktion auf einem Feld nahe Kiew, 2005, Video, 3:12 min.; We will R.E.P. you!, Aktion in Kiew, 2005, Video, 11:00 min.)

Auch die Videodokumentation “Lirnyk” zeigt eine Performance der R.E.P. Gruppe, die sich explizit mit dem Kunstbegriff in der ukrainischen
Gesellschaft auseinandersetzt und auf spielerische Weise mit ukrainischen Traditionen verknüpft. Im Rahmen der Performance-Tage in Kiew lud die Künstlergruppe einen “Lirnyk” - ein ukrainischer Volksmusikant und Geschichtenerzähler – ein, um über bekannte künstlerische Aktionen und Performances zu erzählen. Begleitet vom traditionellen Drehleierspiel berichtete der Lirnyk den Menschen auf der Straße Kiews von den Performances einer Marina Abramovic, Joseph Beuys und Alexander Breners.
(Lirnyk, Performance in Kiew, 2006, Video, 12:44 min.)

Die intensive Auseinandersetzung der Künstlergruppe mit den Belangen und Problemen des eigenen Lands zeigt sich auch in der Videodokumentation „Smuggling“. Als künstlerischer Kommentar zum Gaskonflikt mit Russland schmuggelte R.E.P. 2007 russisches Rohöl und Gas in Wärmflaschen und Ballonen über die ukrainische Grenze in die EU. Das Video dokumentiert neben der Aktion der Gruppe den Alltag der Schmuggler an der polnisch-ukrainischen Grenze. (Smuggling, Aktion an der polnisch-ukrainischen Grenze, 2007, Video, 10:58 min.)

In ihren Projekten thematisiert R.E.P. auch die Visualisierung politischer Repräsentation und Mechanismen der Imageproduktion. So präsentieren sich die Videos „Superproposition I+II“ und „Ukrainian Land“ ganz im Stile klassischer TV-Werbespots, die hier – anstelle des Haushaltsreinigers – die Qualitäten illegaler ukrainischer Arbeiter und des ukrainischen Lands selbst anpreisen. (Superproposition I, 2008, Video, 00:59 min.; Superproposition II, 2008, Video, 00:59 min.; Ukrainian Land, 2010, Video, 1:53 min.)

Die Ausstellung wird begleitet von einem Filmabend am 29. April 2010 im kunstraum muenchen, der die beiden Dokumentarfilme der R.E.P. Gruppe “Presentation of Kyiv Art Academy” und “Presentation of National Union of Artists of Ukraine” zeigt. Die Filme geben Einblicke in das künstlerische Ausbildungssystem in Kiew sowie in die Mechanismen des ukrainischen Kunstsystems und offenbaren so Eigenheiten und Probleme mit denen sich zeitgenössische Künstler in der Ukraine konfrontiert sehen.
(Presentation of Kyiv Art Academy, 2006, 40 min.; Presentation of National Union of Artists of Ukraine, 2007, 20 min.)

Mitglieder der R.E.P. Gruppe sind Kseniya Gnylytska (*1984), Mykyta Kadan (*1982), Zhanna Kadyrova (*1981), Lada Nakonechna (*1981), Volodymyr Kuznetsov (*1976) und Olesia Khomenko (*1980).