Wolfgang Stehle “Angriff auf die Architektur”

event: “BASIC RESEARCH _ beobachtungen höherer art”
datum: Donnerstag, den 15. April 2010
Uhrzeit: ab 19:00 Uhr
Kurzbeschreibung: Folge 7 Angriff auf die Architektur
Location: Weltraum, Rumfordstrasse 26

Beschreibung:

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Eröffnung am 15.04.2010 um 19.00 Uhr
Samstag bis Samstag von 18.00 bis 20.00 Uhr
oder nach telefonischer Vereinbahrung 0160 9792 3952

In einem Landstrich, wo sich nichts als Felder und Wiesen eine Ebene teilen, wo kein Grashalm dem andern seinen Raum streitig macht und die Sicht ungehindert an den Horizont eilt, dessen Linie der Dunst am Himmel verwischt, … in diesen Landstrich hat sich ein Baum gestellt. Gegenwärtig, raumgreifend und allein steht er dort. Er zieht den Blick auf sich, fächert ihn unter seinem Astwerk auf und schickt ihn vom Stamm aus wieder fort. Auf diese Weise vollzieht der Baum ein Raummodell an uns und der Bildhauer Wolfgang Stehle einen Angriff auf die Architektur.

Im WELTRAUM schickt Stehle uns auf einen Gang durchs Freie, nicht buchstäblich und doch nicht bloß im über tragenen Sinn. Drei Skulpturen verteilen sich über den ersten Raum, deren formale Grundstruktur und Farbe gerade noch an Bäume erinnern. Sie stehen am Rand eines graubraunen Holzgatters, das an der Wand der Galerie entlang und bis in den zweiten Raum führt. Dort befindet sich eine weitere Skulptur, mit der sich isoliert von den anderen das Baummotiv wiederholt.
Stehle wendet auf seine bis zu 2,30m hohen Baumabstraktionen den Baum selbst als Raummodel an. Von Weitem präsentiert sich eine Tanne unverkennbar als Dreieck, Stehle greift diese Form in Threetrees auf und variiert sie in Multiplexholz konsequent bis in die Zweigstruktur. Die Arbeit Windwood dagegen zeugt von den strukturellen Spuren eines Sturms im Geäst und zeigt darin Ähnlichkeiten mit dem Gerüst eines Hochspannungsmasts, der im Begriff ist zu kippen. Die formale Stringenz und Klarheit der Holzarbeiten führen zu einer weiteren Variante, wenn Stehle mit Rundstab aus Metall arbeitet. In tastenden Windungen und Querläufen vollzieht er mit dieser Baumabstraktion wie das Formwerdende und Raumgreifende nach. Ein charakteristisches Stilelement Stehles sind die Schnittlinien an der Oberfläche von Morningwood, die Assoziationen von Nadelhölzern hervorrufen, aber auch den Strich als Grund element der Zeichnung oder von gefaltetem Papier. Die gleichen Linien finden sich auf dem Holzgatter wieder, das uns Diesseits der Bäume bannt und ungewohnt durch den WELTRAUM geleitet. Die Zwischenräume der Zaun latten verführen zu voyeuristischen Blicken, doch was sich hinter dem Gatter verbirgt, bleibt letztlich undurchsichtig. Wolfgang Stehle wurde 1965 in München geboren, wo er lebt und arbeitet. Weitere Info: www.wolfgangstehle.de