event: “BASIC RESEARCH _ beobachtungen höherer art”
datum: Donnerstag, den 29. April 2010
Uhrzeit: ab 19:00 Uhr
Kurzbeschreibung: Folge 8 AUF DER SUCHE NACH DEM VERLORENEN STIL
Location: Weltraum, Rumfordstrasse 26
Beschreibung:

Eine Ausstellung im Weltraum
Nina Radelfahr
Christine Tanqueray
Eröffnung: 29.April 2010
Performance: David Russo 21.00Uhr
30.April – 7. Mai 2010
Täglich von 17 bis 20 Uhr geöffnet
Dienstag und Mittwoch auch 12 – 15 Uhr
Welcher Moment dockt uns an den Urquell an, der das Leben meint? Ist es ein Atem- oder Lungenzug; ein Kuss oder
Hostiengenuss; der erste eigene Schuss ins Tor, der Fuß am Gaspedal oder die bloße Erinnerung daran; ein Stück
Musik oder Wurst; der Galerie-, Puff-, Jahrmarktsbesuch; oder ein Gespräch, das aus Stille besteht? Atemberaubend
obwohl belebend, krass und doch erhellend, erhaben obgleich winzig klein, kurz und trotzdem ein Akt der Unendlichkeit:
Am Urquell spaltet sich das Leben wie ein Atom in seine Teilchen und Kräfte auf. In diese Fragestellung begeben
sich Nina Radelfahr und Christine Tanqueray mit ihrer Ausstellung.
Im ersten Raum des WELTRAUM hat Christine Tanqueray eine Szenerie aus Versatzstücken gebaut, die an die Atmosphäre
von Rummelplätzen und Varietétheatern erinnern. An der einen Wand ist ein 2m x 4m großer Schriftzug aus
weißen Leuchtstoffröhren angebraucht. Überdimensioniert und full of power strahlt darin ‚Little Boy’ in einer von der
Künstlerin entworfenen Schreibschrift auf. Die Energie von drei Hochspannungstransformatoren, die diese Lichtinstallation
betreiben, steht in produktiver Spannung zum Sinn und Gehalt der Wörter. In ‚Little Boy’
mag sogar etwas einfältig
Infantiles anklingen, aber es diente der US-Air-Force auch als Codename für die erste Atombombe auf
Hiroshima 1945. Dem Schriftzug stellt Christine Tanqueray eine Installation aus 50 unterschiedlich langen Holzlatten gegenüber.
Sie sind in den Farben weiß, baby-blau, rosa und gold lackiert und zitieren in ihrer Anordnung die Vordächer
von Jahrmarktsbuden oder Varietés. So entfaltet sich in der Rauminstallation ein Kräftefeld aus Licht und der
Power von Kindheit und Erinnerung, das von unvorhersehbarer Sprengkraft zeugt.
Ganz anders Nina Radelfahr, sie hat den zweiten Raum in einen White Cube verwandelt, der wie das Allerheiligste
einer Schatzkammer funktioniert. Das Licht ist gedämpft, als würden ehrwürdige Exponaten ausgestellt; die bis zu 40
cm großen Skulpturen aus weißem Gips werden einzeln angestrahlt. Auf den ersten Blick rufen die drei nackten
Frauenkörper in ihrer Anmut bewunderndes Staunen hervor, wie es die griechische Antike für das Schönheitsideal der
Kunst definiert. In der Detailbetrachtung entfalten die Figuren dann eine beinahe unheimliche Ruhe, die auf ihre Entschlüsselung
wartet. Nina Radelfahrs Skulpturen erheben sich aus präparierten Lachskiemen, die in ihrem starken
Dunkelrot wie die Kraftquelle für die fast etherisch wirkenden Körper sein könnten. Jede der Figuren nimmt eine
andere Position ein und greift mit den Händen an Brust- oder Kreuzbein oder sich ans Ohr. An diesen Stellen öffnet
sich überraschend der Körper und zeigt sein Inneres her. Die Figuren halten allesamt die Augen geschlossen; ihr
innerer Blick scheint ganz auf die Öffnungen konzentriert. Durch die choreografische Anordnung erschließt sich
plötzlich ein Weg, den der Atem von Zentrum zu Zentrum durch den Körper nimmt.
Nina Radelfahr wurde in Hamburg geboren, Christine Tanqueray stammt aus München. Beide Künstlerinnen sind
Jahrgang 1978 und leben und arbeiten in München, sie stellen zum ersten Mal gemeinsam aus. Für weitere Informationen:
www.myspace.com/christine_tanqueray; www.ninaradelfahr.de.
Christina Maria Pfeifer (text)