Die Wunschmaschinen von Jarek Piotrowski & Bernhard Lehner

eventDie Wunschmaschinen von Jarek Piotrowski & Bernhard Lehner
datum: Freitag, den 07. Mai 2010
Uhrzeit: ab 18:00 – 21:00 Uhr
Kurzbeschreibung: Ausstellungseröffnung von Jarek Piotrowski & Bernhard Lehner
Location: Am Glockenbach 6

Beschreibung:

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Die Wunschmaschinen von Jarek Piotrowski & Bernhard Lehner

Die Wunschmaschinen sind totemische Figuren/Objekte die eine Bewegung im Raum suggerieren obwohl sie keine kinetische Funktion erfullen. Die andauernde Presenz der zum teil anthropomorphen Maschinen ergibt sich gerade aus ihrer erstarrten Bewegungen. Die Wunschmaschinen sind im sinne des Ready-mades aus der Zusammenkunft gefundener Objekte oder Objektteile mit verschiedenartigen Mechanismen entstanden. Die dreidimensionalen multiplen Collagen tauschen in einer stummen Kakophonie lauter Simultaneiteten: Fehlzundungen, Stockungen, Kurzschlussen, Unterbrechungen vor. Der Schein einer ewigen Dynamik ist jedoch nichts als der Trugschluss einer Erwartung, dass alles sich im Raum zu bewegen anfengt und einem in möglichen Zeitschichten von unmöglicher Dauer versetzt.

Die Wunschmaschinen von Jarek Piotrowski und Bernhard Lehner scheinen den Begriff der Deterritorialisierung wachzurufen, den Gilles Deleuze und Felix Guattari in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhundert definiert hatten*. Zum einen sind Wunschmaschinen ein maschinelles Gefege, eine Mannigfaltigkeit von Elementen, die aus verschiedenen Kontexten entrissen und miteinander verbunden, vermischt sind. Die gegenseitige Reterritorialisierung der einzelnen vereinigten Teile des neuen Objektes lasst auf unbekannte Spheren blicken: Neue mögliche Welten werden so erschaffen. Insofern kennen Wunschmaschinen als Katalysatoren einer Bewegung ausserhalb des Konventionellen Raums, ausserhalb seiner Fluchtlinien wahrgenommen werden.
Diese Maschinen funktionieren nur noch in der sehnsuchtigen Vorstellung des Betrachters, im seinem Wunsch nach Bewegung, nach möglichen, bzw. unmöglichen Territorien.

Die Vollkommenheit des Defekten, die die Wunschmaschinen charakterisiert beschwürt Mutantenartige Wesen, die als Zeugen einer anderen Welt funktionieren, von der man allein durch ihre Anwesenheit einen Eindruck bekommen kann. Der Betrachter muss jedoch selbst eingreifen um die Wunschmechanik anzutreiben, um die erstarrten Bewegungen fortzusetzen, zu ergenzen. Wobei das nicht haptisch geschieht sondern nur durch Projektionskraft. das Objekt wird durch die Erwartung und das Verlangen, die es bei dem Betrachter provoziert wiederum manipuliert. Die Manipulation besteht auf Gegenseitigkeit: man kann von einer interaktiven Begegnung sprechen zwischen Wunschmaschine und Betrachter, von einem stetigen gegenseitigen Austausch in der Produktion von Wünschen. die Maschine erscheint wie der Betrachter selbst als einen wunschproduzierendes Wesen. Die Wunschmaschinen funktionieren in diesem Sinne, trotz ihren hybriden, ja fremdartigen Aspekt (oder gerade wegen) als wünschendes alter ego des Betrachters.

Die Wunschmaschinen vermögen es unendliche, in alle Richtungen ausgreifende Verbindungen herzustellen. Sie durchdringen mehrere Strukturen gleichzeitig, deshalb sind sie Maschinen. Der Wunsch als Maschine, als Wunschmaschine.

& nbsp; Juliette Israel
*Gilles Deleuze und Felix Guattari, Anti-÷dipus: Kapitalismus und Schizophrenie 1, Frankfurt am Main, Suhrkamp 1977