event: “balve kiese geuter“ bei E324
datum: Freitag, 22. Oktober 2010
Uhrzeit: ab 19:00 Uhr
Kurzbeschreibung: “balve kiese geuter“ bei E324 | Raum für Kunst in Kooperation mit firstlines
Location: E324 | Raum für Kunst | Gabelsbergerstraße 65
Beschreibung:

balve kiese geuter
Eröffnung am 22. Oktober 2010, 19:00 – 22:00 Uhr
Mit einer Einführung durch Marion von Schabrowsky
Ausstellungsdauer: 23. Oktober 2010 – 13. November 2010
Öffnungszeiten: DO/FR 15 – 19h, SA12 – 16h sowie nach Vereinbarung
Vom 22. Oktober bis 13. November 2010 zeigt E324 | Raum für Kunst in Kooperation mit firstlines eine Gemeinschaftsausstellung von Maximilian Geuter, Frank Balve und Nico Kiese.
Maximilian Geuter ist mit seiner Werkreihe „Helden meiner Jugend“ vertreten. Diese beinhaltet unter anderem Polaroid-ImageTransfer-Aufnahmen von Serien-Figuren wie Angus McGuyver, Michael Knight oder Colt Seavers, an die sich viele von uns bestens erinnern können. Für Maximilian Geuter, ein Kind der 80er-Jahre, waren sie große Vorbilder und Identifikationsfiguren seiner frühen Jugend. Sie lebten das Abenteuer, waren unbesiegbar, einfallsreich, souverän, ohne Furcht und natürlich moralisch integer.
Sie waren ein Produkt der Medienwelt, die im Grunde wie die Märchenwelt funktioniert: Beide inszenieren den edlen Ritter, der immer über das Böse siegt nur zu gern. Doch Märchen gibt es in unserer rationellen Realität nicht und meist auch nicht den edlen Ritter. Blickt man nämlich hinter die Fassade der einstigen Kult-Helden, stehen da Menschen, die nicht viel mit den Figuren zu tun haben, die sie auf dem Bildschirm verkörperten. David Hasselhoff alias Michael Knight – der „fahrende Ritter“ – kämpft seit vielen Jahren weniger gegen dunkle Schurken, als vielmehr mit der Flasche. Und der lässige Kopfgeldjäger, der als „Ein Colt für alle Fälle“ über die Bildschirme flimmerte, ist heute ein Botoxopfer, das dem Traum der Jugend nachhechelt. Hier zeigt sich, dass Fiktion und Realität meist unvereinbar sind.
Doch Maximilian Geuter geht es in seiner Arbeit nicht so sehr darum, das Scheitern dieser Individuen zu entlarven. Vielmehr will er den durchaus erschreckenden Umstand aufzeigen, dass unsere Gesellschaft ihre „Helden“ gerne zerbrechen und fallen sieht, um sich an ihrem allzu menschlichen Scheitern zu laben.
Auch sollen die Bilder der einstigen Übermenschen wie McGuyver und Konsorten an die eigene Kindheit und Jugend erinnern und damit an eine Zeit, in der man von Idealvorstellungen dem Leben gegenüber geprägt war. Maximilian Geuter gibt dieser Stimmung Ausdruck, indem er die auf die nicht mehr ganz zeitgemäße Polaroid-Technik zurückgreift und die einzelnen Aufnahmen im gealterten Zustand zeigt. Damit wirken sie wie Bilder einer „alten Welt“, die aber noch nicht ganz verschwunden ist, denn die Sehnsucht nach einer heilen Welt oder zumindest nach einer Figur, die für diese einsteht bleibt bestehen….der Traum vom Ideal ist zeitlos.
Neben Maximilian Geuter präsentieren Frank Balve und Nico Kiese eine raumgreifende Installation. Als solche ist sie eine Weiterentwicklung ihrer großangelegten Arbeit „Drunk“, die im Rahmen der Jahresausstellung 2010 in der historischen Aula der Akademie der Bildenden Künste in München zu sehen war.
Für die neue Installation wird der Kellerraum bei E324 mit kaputten Fernsehgeräten geflutet, in deren Mitte einige funktionierende Bildschirme wie Lichtpunkte „schwimmen“ und das Chaos-Szenario ausleuchten.
Untermalt wird die Arbeit mit einer selbstkomponierten Soundinstallation, die den Charakter der Gesamtarbeit aufgreift.
Ein weiterer Teil der Arbeit ist ein von Frank Balve verfasster lyrischer Text. Die Dinge und Objekte, die in diesem Text benannt werden – alte Truhen, Biedermeierschränken, eingelegte Früchte, etc. – finden ihre Entsprechung in dem eigens für die Gesamtinstallation produzierten Films, der auf den Bildschirmen gezeigt wird.
Der Film entwickelt eine eigene Bildästhetik, dessen Interpretationsmöglichkeit von den Künstlern bewusst offen gelassen wird. Frank Balve und Nico Kiese verstehen Ihre Arbeit als ein poetische Stück, in dem Wörter, Bilder und Geräusche nicht dazu verwendet werden, klare Informationen zu transportieren, oder Sachverhalte eindeutig auf den Punkt zu bringen, sondern um Gefühle und Stimmungen heraufzubeschwören.
Manche mögen die Rauminstallation in ihrer Gesamtheit – kalter Kellerraum, surreale Bildwelten – als beklemmend, dunkel empfinden. Aber den alten, verstaubten Gegenständen, die in Bild und Sprache ihre Verwendung finden, haftet auch etwas Nostalgisches an, das an „Frühere Zeiten“ erinnert und die damit verbundenen Werte, Traditionen und Vorstellungen. Somit könnte man den Kellerraum als Erinnerungsspeicher sehen, in dem Geschichten, Gefühle, und Erzählungen verlagert und vergessen wurde.
Aufgrund der Zusammenführung von antiquarischen Objekten und Requisiten der Moderne – respektive die Fernsehgeräte – kann man die Installation natürlich auch als ein Vergleich von „Gestern“ und „Heute“betrachten.
Und genau hier treffen sich die Künstler Maximilian Geuter, Frank Balve und Nico Kiese, indem sie von der Vergänglichkeit der Zeit sprechen und dem, was sie mit sich nimmt: Idealvorstellungen, Träume, Wünsche einstiger Tage. Was bleibt, sind die Erinnerungen und vor allem die Sehnsucht nach einer besseren Welt.