AKJUMII UNIQUE

akjumii München


AKJUMII UNIQUE – Do. 25.02.

Inspiration trifft Konfektion trifft Destination.
Vernissage bei akjumii

Dass das Ganze immer mehr ist, als die Summe seiner Teile, wusste schon Aristoteles zu verkünden und mit Recht und Fug’ darf diese Binsenweisheit auf den Status Quo der Münchner Kreativszene angewandt werden.
Dies zu manifestieren, taten sich Anna Karsch und Michaela Wunderl-Strojny vom vergleichsweise jungen Modelabel akjumii mit mancherlei Künstlern zusammen, um im Rahmen der Munich Creative Business Week eben jenem kaleidoskopischen Zustand einmal mehr Ausdruck zu verleihen. Überdies karitativ motiviert.

Als Leinwand stellten sie den jeweiligen Individuen einen blanken Pullover zur Verfügung, den es zu gestalten galt; bei der Auswahl achteten sie auf eine möglichst große Bandbreite handwerklichen Geschicks. So reihen sich in ihr Line-Up Akteure aus grafischen, journalistischen und unternehmerischen Dunstkreisen. Etwa Charlotte Kelschenbach, Redakteurin des DIY-Magazins CUT, versierter Creative Director Christian Hundertmark von C100, die Malerin Kerstin Forster oder auch Michael „Mixen“ Wiethaus, der ja nicht nur im SHRN Skateshop sein Unwesen treibt, sondern längst allerlei Läden mit bayrischen Type-Plakaten verziert. Dazu gesellen sich die drei Damen hinter der multimedialen Plattform “Das Münchner Kindl“, Nina Gscheider, Anita Hösl und Sarah Schappert sowie Veronika Christine Dräxler vom Autorenblog Selbstdarstellungssucht.

Die formvollendeten Pullover sollen vom 25. Februar bis 3. März 2016 im akjumii-Store in der Reichenbachstraße besichtigt werden können, individuell inszeniert von der Fotografin Kirsten Becken, deren Studio sich in denselben Räumlichkeiten befindet.Erlös des anschließenden Verkaufs geht ohne Umschweife an die gemeinnützige Organisation Horizont e.V., welche obdachlose Mütter und deren Kinder beherbergt und versorgt. Ob der derzeitig signifikant gestiegenen Zahlen Hilfesuchender soll ein zweites Wohnhaus gebaut und pädagogische Betreuungskonzepte weiterentwickelt werden.

„Es war uns bei der Auswahl der NGO wichtig, das Geld in München zu lassen. Ein Projekt aus der Stadt, für die Stadt, quasi. Dabei ist es völlig irrelevant, ob die obdachlose Mutter mit ihren Kindern aus Syrien oder Nordrhein-Westfalen kommt“, erläutert Anna Karsch. „Wir möchten Künstler zusammenbringen, die wir persönlich schätzen, und aus der Freude am Gestalten heraus etwas Gutes tun.“
Optimale Bühne hierfür ist selbstverständlich die Munich Creative Business Week, die sich seit fünf Jahren auf die Fahnen schreibt, Design und Wirtschaft mit ethischen Aspekten innerhalb der Branche zu verknüpfen. „Design geht uns alle an“, konstatiert Nina Shell, Chefredakteurin des MCBW-Magazins. Gute Gestaltung bezöge sich auf alle Produkte im Sinne des Entwerfens von Dingen, aber insbesondere auf Zukunftsszenerien aller Art. Man möchte hoffen, dass bei so viel bedeutungsschwangerem Manifest das tatsächliche Wertschöpfungsverständnis nicht auf der Strecke bleibt.

Wo der öffentliche Diskurs um Corporate Social Resposibility immer lauter wird und die Alpha-Unternehmen mit teils grandiosen, teils fadenscheinigen Public Value Projekten von sich Reden machen möchten, da tut es wohl, zu sehen, wie sich zwei freimütige Modedesignerinnen um die Realisierung eines Gemeinschaftsentwurfs bemühen, der ganz unprätentiös daherkommt.
Freilich, kooperativ in das Programm der MCBW integriert zu werden, erklärt den qualitativen Anspruch der beiden; Eklektizismus gehört zum Konzept. Ebenso, selbstredend, auch damit einhergehende Exklusivität. Dieser Nimbus kürt ökologische wie soziale Nachhaltigkeit insofern zum Sieger, als dass ganz klar die Prozessarbeit im Vordergrund steht. Der Käufer fördert schlussendlich nicht nur wohnungslose Mädchen und Buben, sondern Handarbeit per se.

Aus dieser simpel gestrickten Grundidee konkludiert, dass das Format auch in Zukunft anzuwenden im Bereich des Vorstellbaren liegt, beziehungsweise weitergesponnen werden könnte.Es gehört jedenfalls die Frage definitiv öfter gestellt, auf welcher Art von Nährboden dynamische Nachwuchskreative zusammenkommen und gemeinsamen Content generieren können, der sich etablierte Foren wie die MCBW zunutze macht, um minderbegüterte Münchner – insbesondere Kinder – zu fördern. Völlig ohne den Duft von aufgekochtem Einheitsbrei. Mehr so, es riecht nach Veränderung.

T: Sonja Steppan

WANN: Vernissage am 25. Februar 2016, 15 – 21h
Ausstellung 25. Februar – 3. März 2016
WO: Reichenbachstraße 36
WEB: akjumii.com