ARTIST BAR TALK

Stiftung van de Loo


ARTIST BAR TALK – Mo. 06.05.

Artist Bar Talk mit Andrew Gilbert in der Favorit Bar

Die zunehmende Beliebtheit des Veranstaltungsformats Artist Talk zeigt, dass es durchaus auf Interesse stößt, was ein Künstler oder eine Künstlerin zu sagen hat. Natürlich sollten Werke auch für sich sprechen können. Natürlich kann und soll künstlerisches Schaffen auch interpretiert werden, ohne die Intention des Autors zu kennen oder zu berücksichtigen. Trotzdem eröffnen KünstlerInnen mit ihren Gedanken immer wieder auch neue Wege, ihrer Kunst zu begegnen.

Bei solchen Gesprächen besteht dann allerdings oft ein relativ großer Abstand zwischen Podium und Publikum. Meist findet man sich in einem Ehrfurcht einflößenden, musealen, architektonischen Format wieder, das nicht nur den einen oder anderen abschreckt, das Zwiegespräch mit eigenen Fragen in den offenen Raum zu erweitern, sondern das auch den Rede und Antwort Stehenden mehr oder weniger unter Druck setzt, nur Letztgültiges und Ausformuliertes von sich zu geben.
Nicht zuletzt aus diesem Grund hat sich die 2017 gegründete Stiftung van de Loo in Kooperation mit der Favorit Bar entschieden, einen ARTIST BAR TALK im intimen Rahmen einer Bar stattfinden zu lassen. Zweimal jährlich werden dafür KünstlerInnen eingeladen von sich, ihrer Kunst und ihrem Werdegang zu erzählen. amDabei können sie, wenn sie möchten, auf das Korrektiv und sicher oft auch auf die Stütze eines Fragen stellenden Gegenübers verzichten. Insofern haben sie die Möglichkeit, frei und ungebunden zu erzählen, wonach ihnen der Sinn steht.

Gleichzeitig wird sich eine programmatische Ausrichtung dieser Vortragsreihe allein dadurch ergeben, dass die Eingeladenen einen bildnerisch-expressiven Zugang zur Kunst aufweisen und damit – ohne an das Programm der Galerie van de Loo und ihrer Nachfolgegalerien gebunden sein zu müssen – die Haltung des Stifters Otto van de Loos weitertragen. Dies könnte schließlich dazu führen, dass es immer wieder auch um die Frage gehen wird, was »traditionelle« künstlerische Formate in einer zunehmend digitalisierten und politisch fordernden Gegenwart leisten können. Der 1980 in Edinburgh geborene Andrew Gilbert eröffnet am 6. Mai die Reihe. Er lebt heute in Berlin und ist auch in München schon lange kein Unbekannter mehr. 2008, 2011 und 2013 waren Einzelausstellungen von ihm in der Galerie Andreas Höhne zu sehen. Nach dessen Galerieschließung ist er seit 2015 fest im Programm bei Sperling, wo er mit installativen Präsentationen ins Auge fiel. Als Mitspieler eines größer angelegten Austauschs mit einer Pariser Galerie war seine Arbeit 2011 einmalig auch in der Galerie van de Loo Projekte zu sehen.
Mit seinen Papierarbeiten, Installationen und Skulpturen hat sich Gilbert einem einzigen Thema verschrieben: den Exzessen der Kolonialzeit in Afrika und deren Auswirkungen bis heute. Ausgehend hiervon baut er verstörende Welten, welche nicht nur die Absurdität des Geschehenen offen zum Ausdruck bringen, sondern gleichzeitig auch an aktuelle politische Geschehnisse anknüpfen.
Auf der einen Seite mutet diese extreme Unbedingtheit, mit der sich Gilbert thematisch dem schwarzen Kontinent widmet, beinahe konzeptionell an. Andererseits aber spielt er so frei und unabhängig mit den künstlerischen Mitteln, dass die Ergebnisse keineswegs programmatisch eingeengt oder streng wirken. Im Gegenteil: Mit seinen offen-absurden Anleihen aus dem afrikanischen Bilderkosmos, seinen dreisten Verknüpfungen mit gänzlich anders konnotiertem Bildmaterial und nicht zuletzt mit seiner überbordenden, farbstarken Umsetzung bewahrt er einen offenen, inhaltlich vielschichtigen malerischen Ausdruck. Immer wieder schreibt er sich auch selbst die Rollen seiner Protagonisten auf den Leib, unabhängig davon, welcher Seite sie angehören. Er bedient sich dabei frei Erfundenem ebenso wie eingehend recherchierter Fakten, die er bei Besuchen verschiedenster ethnographischer oder militärhistorischer Museen und in Auseinandersetzung mit Literatur und Film gesammelt hat. Dabei geht er weit über eine eindimensionale historische Aufarbeitung hinaus. Von der mittlerweile überholten einfachen Faszination für „primitive“ Kunstformen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und deren naiven Zurschaustellung in volkskundlichen Sammelsurien bis hin zu vorgeblich politisch korrekten Neubewertungen heute – unser Umgang mit der Kulturgeschichte Afrikas wird auf solch bitter-sarkastische Weise hinterfragt, dass uns das anfängliche Schmunzeln ob des surreal-naiven Bildgeschehens schnell vergeht.

Am 6. Mai bietet sich die Gelegenheit, intensiver in den Kosmos Andrew Gilberts einzutauchen und sich im Anschluss direkt mit dem Künstler zu von Daniela Stöppel aufgelegten Platten auszutauschen.

Text: Selima Niggl

WANN: Montag, den 06. Mai 2019, 20 Uhr
WO: Favorit Bar, Damenstiftstraße 12, 80331 München
WEB: stiftung-vandeloo.de