DOGTOWN MUNICH

Dogtown Munich


DOGTOWN MUNICH – Di. 09.05.

Vice versa „DOGTOWN Munich” am Münchner Volkstheater

Die Fülle an Möglichkeiten, derer es bedarf, theatralische Zuversicht zutage zu befördern, ist ob aller Flächen und Obsessionen mittlerweile fast schon begrenzt. Erratisch und außen vor ist man dann, wenn einem insgeheim der Komplexität einer Inszenierung keine besondere Referenz genehm wird, und es muten Theatermacher innerhalb der Darbietung plötzlich unnötig an und dann auf einmal liest man sowas:

„Ich musste 1938 auf die Welt kommen, nachdem ich mir meine Eltern schon ausgesucht hatte. Meine Mutter war eine sportliche Schönheit vom Land, die sich nur in der Stadt wohlfühlte. Mein Vater war sehr leger und trank gern, er war ein Spaßvogel. Kaum auf der Welt, suchten mich Schulen, Krankenhäuser und alles Mögliche heim. Ich leistete meine Zeit ab und bestand auf meiner Freizeit. Ich schrieb Bücher, bis mich das Sitzen schmerzte. Dann machte ich Filme, weil ich mich bewegen wollte. Die Kinder, die ich habe, fangen wieder von vorne an. Grüß Gott!“

Und dann verliebt man sich in die Idee, dass Achternbusch (dessen selbstbeschriebener Lebenslauf dies formuliert) nicht nur formidabel für den Fortschritt der Avantgarde gesorgt, sondern auch mittels Bereitwilligkeit, die Dinge breit zu treten, jüngst Pinar Karabulut insbesondere inspiriert hat.

Die Süddeutsche Zeitung schreibt über sie, dass sie ihre dicken Haare knetet und Helene Fischer erkennt, aber das finde ich ziemlich bescheuert. Weil eigentlich ist es viel wichtiger, dass sie sich was traut.

Damit möchte bei Gott nicht motiviert wirken, auf den derzeit populären feministischen Zug aufzuspringen, der die umsichtige Gesellschaft auffordert, alle Personen aus Prinzip scheiße zu finden, die den Post-Trump’schen „Womens March“ nicht für die größte Bewegung aller Zeiten halten, aber die Sache ist die: wo es hier fulminante Persönlichkeiten gibt, die Theaterproduktionen solchergleichen jenseits dessen zeigen, was man sonst so sehen möchte, ist die Hoffnung noch nicht gestorben. Für München zumindest, denn darauf bezieht sich das Stück zuhauf: „Mein Herz ist ein blutiges Schnitzel“, sagt die Maria.

Alles ist so:
Triumphal und witzig und die echte Welt bevormundend, weil es Herbert Achternbusch seit jeher darum ging, dem Verhältnis der Generationen beizupflichten, dass alles zueinander gehört.

Es wirbeln Lichter, Gefühle bezüglich aller Lebenslagen gleichzeitig, und auch Animositäten durcheinander, und wie man mit der Rythmik per se umgehen sollte.

Es haut wer auf die Pauke und nichts ist oll, sondern forsch. Man möchte Brief und Siegel darauf geben, dass am Ende alles in Flammen aufgeht, aber das tut es nicht.

Text Sonja Steppan

WANN: Dienstag, den 09. Mai 2017, 20 Uhr
WO: Volkstheater
WEB: muenchner-volkstheater.de