HANG MASSIVE

Hang Massive


HANG MASSIVE – Do. 09.05

Klangschalen-Techno im Backstage: In der internationalen Presse wird das Hang Massive Projekt, des Engländers Danny Chudd und des Schweden Markus Offbeat, als das beste Hang-Spieler-Duo der Welt gefeiert. Momentan touren sie mit ihrer neuen Show durch Europa und spielen am 09.05.2019 im Backstage in München.

Das Hang Massive Konzert stellt das neue Album „Luminous Emotiness“ vor, und überrascht den Besucher mit einer entspannten Mischung aus live „getriggerten“ elektronischen Beatloops, Halleffekten und analog gespielten Klangschalen-Harmonien, die an Muzak, Zen Klänge und balearischen Beatdown-Techno, also sehr langsamen Techno und auch etwas Klangtherapie erinnern.
Damit liegen die beiden Musiker sowohl bei den Nachfahren der New-Age-Bewegung, sowie einigen Millennials, der Generation Y voll im Trend. In You Tube Videos von Hang Massive Konzertmitschnitten sieht man generationsübergreifend, entrückt lächelnde Gesichter, die sich in einer Zeitlupen-Mixtur aus unterschiedlichsten Wohlfühl-Klängen wiegen. Der skeptische Betrachter vermutet womöglich eine Art Esoterik-Kult, vielleicht auch deshalb weil die beiden Musiker in den letzten Jahren wiederholt die Balanced View Philosophie als Inspirationsquelle ihres Schaffens erwähnten.
Nach einer kleinen Internetrecherche kann aber entwarnt werden: Balanced View – ehemals Great Freedom – ist höchstwahrscheinlich keine Sekte. Allerdings wird dem Suchenden auch schnell bewusst, in einer Kakophonie aus spekulativen Pro und Contra-Ungenauigkeiten der digitalen Cloud-Meinungen zu schweben. In Zeiten von Fake News ist das eine hoch aktuelle Gesellschaftswahrheit und relativ en vogue.
Die Balanced View Philosophie der in Kalifornien lebenden Candice O’Denver hingegen, mit geschätzten, weltweiten 800 Mitgliedern bezieht sich mehr oder weniger auf die buddhistischen Lehren des Dzogchen. Danny und Markus benennen Candice als eine offizielle Vertreterin der Nyingma-Tradition des tibetischen Buddhismus. Und diese Philosophie ist nicht unbedingt die Schlechteste… wer es mag, viel Spass! Und etwas polemisch vereinfacht aber trotzdem augenzwinkernd, liebevoll harmonisch beschrieben: Hören Sie auf negativ zu denken und fühlen Sie die Basis ihrer Existenz… entspannen Sie sich und machen Sie einfach nur noch genau das, was Sie wirklich wollen; es wird schon irgendwie laufen, ähnlich meines Interviews mit Hang Massive, das Sie jetzt gleich lesen werden.

M. H.: Ihr habt das Hang öfters als “magisches”, oder “mystisches” Instrument beschrieben. Was genau macht eine Frequenz mehr oder weniger magisch oder mystisch?

Danny: Ich denke, dass dies Wörter sind, die normalerweise von anderen Leuten verwendet werden, wenn sie das Instrument beschreiben. Obwohl ich sicher bin, dass wir diese Wörter in der Vergangenheit auch gesagt haben, sehe ich das heute allgemeiner. Alle Klänge und tatsächlich alle Frequenzen sind magisch. Sie sind alle räumlich und ähnlich eines Echos in einer Schlucht. Die Selbstfreisetzung aller Klänge zu erkennen, ist die wahre Magie.

M. H.: Das Hang wird als Instrument des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Abgesehen davon, dass es ab dem Jahr 2000 in Bern von Felix Rohner und Sabina Schärer gebaut wurde, impliziert dies sofort eine Art Futurismus, vielleicht sogar eine utopisch futuristische Idee, eine bessere Zukunft zu schaffen, basierend auf der richtigen Art von Schwingung… die Glocke ist circa 3500 Jahre alt?

Markus: Wir neigen nicht dazu, solche Dinge zu sehr zu überdenken. Die Schöpfung ist spontan
und entsteht oft in einem Raum jenseits von Gedanken und Ideen. Wir sind zufällig auf das Hang gestoßen und haben es einfach mit Zuhörern geteilt. Das tun wir gerne. Die Leute mochten es und davon profitieren wir. Das ist wunderbar.

M. H.: Frühstück? Abendessen? Abendessen? Was esst ihr auf Tour?

Danny: Wir haben eine fettreiche Diät. Wir beginnen den Tag gerne mit Butterkaffee und dann „snacken“ wir uns durch den ganzen Tag. Wir trinken immer einen Mate-Tee, bevor wir auf die Bühne gehen.

M. H.: Was haltet ihr von Bovis-Einheiten (eine Skala für die „Lebensenergie“ von Objekten)?

Markus: So schauen wir nicht wirklich auf die Welt. Unser Unterricht, unsere Praxis ist es
den grundlegenden Raum aller Erfahrung zu erkennen. Zu verstehen, dass es eine grundlegende Realität gibt,
die die Basis für alles andere ist. Um unseren Lehrer zu zitieren: „Die ursprüngliche Reinheit von allem
ersetzt jegliche Vorstellungen von irgendetwas“.

M. H.: Hat sich euer Lebensstil mit dem wachsenden Erfolg und Millionen Klicks auf euren Videos verändert?
Wie seht ihr neoliberale Redundanz in Bezug auf Verwertungslogik, Konsum, das Internet, den menschlichen Körper?

Danny: Wir leben in einer fantastischen Zeit der schnellen Entwicklung und Wissensbildung. Wir sind immer in der Lage unsere Stärken, Begabungen und Talente zu optimieren. Dabei sind wir völlig unabhängig und selbstverwaltet. Wir haben gelernt ein großes, professionelles globales Musikprojekt zu betreiben und zu organisieren. Trotzdem sind wir in der Lage alles völlig unbeschwert anzugehen. Das macht uns viel Spaß.

M. H.: Wie funktioniert permanentes internationales Reisen nachhaltig?

Markus: Das ist ein unendlich großes Thema. Es ist für uns jetzt gerade einfach das was es ist, und wir leben es. In den kommenden Jahren wird es sicherlich Veränderungen geben, von denen alle profitieren werden. Auf eine Weise, die im Moment noch nicht einmal vorstellbar ist. Das Denken, das die momentanen Probleme erschaffen hat wird nicht das Gleiche sein das fundierte Lösungen entwickelt, die benötigt werden. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Menschen das wählen wofür sie leidenschaftlich leben wollen und ihren vollen Beitrag in diesem Bereich leisten.

M. H.: Als ich euern Sound hörte, bekam ich das Gefühl, kleine Nuancen der späten 1970er Jahre
und Anfang der 1980er Jahre zu hören. Tangerine Dream, sowie balearische Einflüsse und Techno…

Danny: Wir sind sehr inspiriert von vielen Genres der elektronischen Musik. Das war unsere Kultur als wir jünger waren. Unsere neue Live-Show bringt viele dieser Einflüsse zurück, weil wir für die diesjährige Show eine optimistische Atmosphäre schaffen wollten.

M. H.: Ihr habt beide einen familiären Musikhintergrund. Gibt es Schulen oder Gruppen, in denen das Spielen der Hang erlernt werden kann, falls man keine musikalische Ausbildung hat, oder geht das rein autodidaktisch?

Markus: Es gibt mittlerweile mehrere Online-Kurse und auch reguläre Handpan-Treffen, bei denen Menschen zusammenkommen und sich austauschen. Unser guter Freund David Kuckhermann zum Beispiel betreibt einen großartigen Online-Kurs.

M. H.: Woher kommen eure Beats und Soundeffekte? Was für Drum-Maschinen und Synthesizer verwenden ihr?

Danny: Wir haben ein riesiges Ableton Live-Projekt (Anm. d. Red.: Ein Berliner Software Firma, die ein rechnerbasiertes Programm entwickelt hat, das ein Tonstudio digital emuliert) mit hunderten von Szenen, die wir erstellt haben. Wir lösen diese live – sowie Effekte – mit verschiedenen MIDI-Controllern während der Show von der Bühne aus. Außerdem ist unser Freund und Tontechniker Thomas Falk immer mit auf Tour. Er ist in der FOH-Position, wo er den Sound steuert und auch zusätzliche Effekte hinzufügt. Das Endergebnis ist ein Live-Set, das flexibel und sehr lebendig ist, und viel mehr Spaß macht, als nur Playback zu spielen.

M. H.: Ich habe gelesen, dass einer eurer unvergesslichsten Konzert-Momente in Griechenland in einem
Amphitheater war. Was genau machte dieses Erlebnis so besonders?

Markus: Das ist schon lange her. Es war eines der ersten Male das wir vor so einem großen Publikum gespielt haben. Seitdem gab es so viele besondere Momente und Konzerte.

M. H.: In einem anderen Interview „beschwört“ ihr die “Gift-Economy”. Was meint ihr damit? “Sharing-Economy”? Soweit ich das Internet und die westliche Gesellschaft verstehe kommt nichts wirklich umsonst? „Freebees“ können als eine Form des Marketings gesehen werden, You Tube Videos enthalten Werbung?

Danny: Ich denke, das Gute an Social Media und wie die Dinge im Moment aussehen ist, dass es für jeden etwas gibt. Fans können unserer Musik und die Videos kostenlos online per Youtube und Facebook genießen. Einige andere Plattformen – wie Spotify – verlangen eine geringe monatliche Gebühr. Ich bin mir sicher, es gibt viele Leute die auch Möglichkeiten finden sich alles kostenlos herunterzuladen. Dann gibt es noch andere Möglichkeiten die uns finanziell unterstützen. Zum Beispiel Menschen die zu Konzerten kommen und unsere Waren kaufen, aber natürlich auch YouTube-Werbeeinnahmen. Wir finden einfach Wege um die Fortführung des Projekts zu finanzieren.

M. H.: Es gibt einige Mythen bezüglich des Hangs. Könntet ihr uns den spektakulärsten Mythos erzählen?

Markus: Am Anfang gab es so viele Mythen… weil das Hang extrem schwer zu bekommen war. Die Leute dachten es gäbe einen speziellen Prozess, der durchlaufen werden müsse, um für das Instrument auserwählt zu werden. Ich bin nicht sicher welche Geschichte die spektakulärste ist, aber es ist schön dass das Instrument jetzt häufiger verfügbar ist und mehr Menschen es spielen und hören können.

M. H.: Vielen Dank für das lockere Interview, Jungs… und viel Spaß im Backstage am 09.05.2019.

Text: Mirko Hecktor

WANN: Donnerstag 09.05.2019, 20:30 Uhr
WO: Backstage, Reitknechtstraße 6, 80639 München
WEB: hangmusic.com