HAUS 75

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HAUS 75

Es war einmal ein über hundert Jahre altes Haus in der Geyerspergerstraße 75, das jetzt von drei vor Ideen sprudelnden Köpfen bewohnt wird.
Lion Fleischmann, Sebastian Wandl und Matze Mross. Die Jungs kennen sich von der Ausbildung an der freien Kunstwerkstatt und leben und arbeiten seit eineinhalb Jahren als Trio Infernale, bzw. Künstlerkollektiv und Wg unter dem berüchtigten Namen Haus 75.
Sie sind regelmäßig bei der Stroke vertreten, machen Live Paintings und von ihnen stammt auch das imposante Deckenfresko im Call me Drella.
Im fernen Laim mache ich mich also auf den Weg und wandere in eine andere Welt. Es lohnt sich, ich stehe vor der Villa Kunterbunt.
Außen ist es verwildert und verwuchert, es gibt Eichhörnchen in uralten Zwetschgenbäume, aus deren Früchten die Jungs gerne mal Marmelade einkochen und schon im Garten liegen überall Pinsel und Farbdosen selbstverständlich vertreut herum.
Innen geht das Paradis weiter. Sie sind jung, sie haben Stil und die Einheit von Kunst und Leben ist hier keine leere Floskel, sondern Alltag.
Wohnen in der Kunst ist schön, fordert aber auch ein paar Zugeständnisse.

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“Es ist echt arschkalt hier”.
Lion sitzt mir in einem Wollschal und Schaffellhaussschuhen gegenüber und Matze kocht Tee aus einer Urwaldwurzel, während ich die neben Essig und Öl stehenden Farbdosen bewundere.
Wirklich alle Wände hängen voller Bilder, auch die Decken. Der Esstisch hat Farbklekse und noch während wir reden, bekleckert Matze seine neuen und einzigen bisher fleckfreien Sneakers mit schwarzer Acrylfarbe.
“Wir malen echt überall”.
Das Haus ist Wohnung, Atelier, Partylocation, Ideen und Materialfundgrube in einem.
Aus altem Zaunholz wurden schon Rahmen gefertigt und auch der Kühlschrank, den die Jungs für Red Bull Curates gestalten, enthält einiges an Geschichte.
Verarbeitet haben sie alles Mögliche an Materialfundstücken aus dem Keller, inklusive einem kleinen Plastikbambikopf.
Ein Stück der Skulptur darf ich schon vorab im Keller auf der Werkbank inspizieren. Es sieht aus wie ein türkises Tim Burton Haus mit Zuckerguss und riecht lecker nach frischer Farbe.
Die Holzgrundform hat Basti gebaut, bevor er sich für ein paar Wochen zum Surfen verabschiedet hat und um den Rest kümmern sich Lion und Matze.
So ähnlich wie beim Red Bull Kühlschrank arbeiten die Jungs eigentlich immer, nämlich ziemlich einträchtig Hand in Hand.
Die Ideen entstehen oft zusammen, beim gemeinsamen Frühstück oder während sie sich aus verschiedenen Stockwerken beim Malen zurufen.
“Wenn es Konflikte gibt, dann nur privat, wie das in Wgs eben ist. Wir verbringen halt 24 Stunden miteinander.”
Stilistisch ergänzen sich die Drei super, an einem Bild zusammen zu arbeiten ist kein Problem. Trotzdem hat jeder seine ganz eigenen Vorlieben und Motive.
Bei Matze finden sich abgedrehte Character und verwinkelte Häuser und Lion malt momentan viele Portraits von alten Leuten, z.B. einem verschmitzten Seebär, mit Pfeife im Mundwinkel. “Das ist einfach ein alter, zufriedener Mann, der ein geiles Leben hinter sich hat! Und außerdem liebe ich es, Falten zu malen!”.
Basti malt dagegen gerne junge Frauen in Bikinis und die finden sich dann auch auf Merchandise wie Surfbrettern und Handycases wieder.

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Zu sehen gibt es ihre Arbeiten auf

matthias-mross.de
sebastian-wandl.com
lion-con-carne.blog.de

Und wer nicht nur Erfrischung für die Augen möchte, kommt zur Red Bull Curates Ausstellung am 19. und 20. Oktober.

Text & Fotos: Agnes Bachmaier