JAN SCHÜNKE – DESIGNATED LIFE

Jan Schünke


JAN SCHÜNKE – DESIGNATED LIFE – Mi. 09.05.

Der Münchner Photokünstler Jan Schünke trifft auf seinen Reisen wiederholt Momente im Stadtgefüge, die man leicht übersehen kann.

Im Bilderzyklus DESIGNATED LIFE werden nun einzelne Situationen portraitiert, bei denen Bäume, aus ihrem natürlichen Umfeld herausgelöst, im scheinbaren Widerspruch zu einer unwirtlichen Stadtlandschaft existieren.
Jan Schünke beobachtet mit diesen Portraitaufnahmen kollektive Vereinbarungen über Stadtgrenzen und Länder hinweg, mit denen Lebensraum und Existenzrecht im gemeinschaftlichen Stadtraum für pflanzliche Individuen verabredet wird.
Diese Wiederholungen des Umgangs mit lebender Vegetation machen ideologische Freiräume in der modernen Stadt sichtbar – verweisen diese Orte doch auf einen Werteraum außerhalb unserer ökonomisch getriebenen Handlungswelt.
Doch warum stehen diese Bäume nun dort – scheinbar grundlos – lassen die versammelten Motive doch viel Raum für Spekulation? Naheliegend für eine Erklärung wäre es, eine mythologische Bedeutungsebene von Baumwesen zu deuten, die sich durch die Kultur und Religionsgeschichte zieht. Doch obwohl in allen Religionen Bäume von Menschen als Wertevermittler mystifiziert werden, ist eine rituelle oder religiöse Praxis in der Bildebene nicht vorrangig erkennbar.
Oder führt uns eine intuitive Ebene weiter – erleben wir doch Bäume als verbunden mit den Kräften, die den Lauf der lebendigen Welt bestimmen. Spüren wir etwa intuitiv bei diesem Zusammentreffen von menschlichen und nicht-menschlichen Wesen diese Lebendigkeit der Baumwesen, die nicht nur Sauerstoff als Lebensgrundlage erzeugt, sondern vielmehr etwas mit uns „macht“?
Von all diesen Überlegungen unberührt, stehen die grünen Protagonisten scheinbar neutral ihrer Umgebung gegenüber. Kann es sein, dass wir dennoch etwas wie Erkenntnis erleben im emotionellen Umfeld dieser Bildräume?
Es ist die bildsprachliche Kontextualisierung von organischem Leben und mineralisch hartem Stadtumfeld, die hier Raum für Interpretation bereitstellt. Denn mit der Gegenüberstellung von Natürlichkeit und Künstlichkeit erklärt Jan Schünke diese Dialektik nicht zum Inhalt, sondern triggert eine persönliche Interpretation des Betrachters.
Tatsächlich scheint dieser Moment ein Anhaltspunkt zu sein, der unsere Wesensbeziehung zu diesen Lebewesen erklärt. Sehen wir in der Bildserie nun dystopische oder doch hoffnungsvolle Allegorien des Lebens? Wie ein Spiegel wirft die Bildserie uns bei dieser Frage auf uns selbst zurück. Während die Bäume einfach sind – werden sie für uns zum Spiegel der eigenen individuellen Bezugslage, die sich ändern darf – ganz individuell, wie persönlich.

​Text: Klaus K. Leonhard, München, März 2018

Abbildung: Designated Life, Tree 8, Hong Kong 2017, C-Print Diasec, 120 x 95 cm

WANN: Eröffnung Mittwoch, 09. Mai 2018, von 18 – 21 Uhr
WO: Susan Boutwell Gallery, Theresienstrasse 48
WEB: susanboutwell.com