KÖTERHAUSEN

Javier Rodriguez


KÖTERHAUSEN

Überall, immer mehr, immer größere Köter. Im Park teils 6 oder 8 Stück an sich verheddernden Leinen. Zu jeder Tageszeit eigentlich. Aber besonders um 10Uhr, 14.00 Uhr, 16.00 Uhr und 18.30 Uhr.
Oft geführt von bezahlten Hundeausführerinnen oder Hundeausführern. Insbesondere im an die reichen Viertel Bogenhausen und Schwabing grenzenden schönsten Teile des ohne Zweifel wunderschönen nördlichen Englischen Gartens in München.

Die Köter scheinen täglich grösser zu werden. So wie die Hundeausführerinnen und Hundeausführer täglich wuchtiger werden. Natürlich führen die Besitzer ihre Tölen auch selber mehrfach täglich aus. Aber die Hunde-Besitzerinnen sind grundsätzlich magersüchtiig und die Hunde-Besitzer grundsätzlich fett. Es gibt eigentlich rund um das System Hund überhaupt keine Normalität. Und die Verrückten werden täglich mehr. Und ihre Köter werden immer größer. Magersüchtige Frauen lassen oft die ungeheuersten Viecher laufen. Natürlich müssen sie die kolossalen Viecher laufen lassen, ohne Leine, weil mit Leine, das ginge ja nicht. Mit Leine würden sie von den gewaltigen Viechern mit geschleift. Manchmal versuchen sie es. Wenn die Riesenviecher auf einen Spaziergänger oder Radfahrer zulaufen wollen, versuchen sie es. Dann werden sie an der Leine mit über den Boden rutschenden Turnschuh-Füßen Richtung Opfer geschleift wie Schlittenhundführer hinter dem Husky-Gespann im Schnee.

Es scheint einen Zusammenhang mit den immer wuchtiger werdenden Autos zu geben. Die Köter und die SUVs werden immer größer und immer mehr. So wie die SUV s immer wuchtiger und zahlreicher geworden sind, in den Städten, so sind auch die Köter immer riesiger und mehr geworden. Das muß irgendwie mit einem ins Hysterische gesteigerten Sicherheitsbedürfnis zusammen hängen. Nix kann mehr groß genug sein. Weder die LKW-artigen SUVs, noch die Köter. Und wie die SUV Führerinnen und Führer so vollkommen rücksichtslos und abrupt die Spur wechseln, so lassen die Hunde Führerinnen und Führer ihre SUD´s – also ihre Special Utility Dogs gern auch mal gemeingefährlich frei auf Spaziergänger los.

Jedesmal wenn ich mit dem Rad die Riesentölen und ihre magersüchtigen oder fetten Führer umkurve, stelle ich mir die ungeheure Menge an Hundescheisse vor, die diese Köter fallen lassen. Natürlich habe ich noch keinen der verfetteten oder magersüchtigen Hundeführerinnen und Hundeführer gesehen, der den riesigen Tölenkot mit dem Handschuhsäckchen aufnehmen und wegtragen würde, wie es sich gehört und vorgeschrieben ist – die riesigen Tölen Kot Haufen können ja nicht aufgenommen werden, denn für die Riesentölenkothaufen würden die Hundeführerinnen und Hundeführer ja keine Handschuhsäckchen, sondern Einkaufstüten brauchen. Und die Hundeführerinnen und Hundeführer haben natürlich keine Lust die Scheisse sackweise herumzutragen. Sie schwitzen ja ohnehin schon.

Der Winter hilft ein wenig. Nicht, daß die Menge der Scheisse kleiner würde. Die Haufen müssen gemacht werden und sie werden gemacht. Aber die Ausführdauer der Hundeführerinnen und Hundeführer nimmt ab. Dank der Kälte. Wieder ein Nachteil des Klimawandels: die Winter sind nur noch selten kalt genug, um Köterhausen zu verhindern oder auch nur ins Angenehme zu verkleinern. Nachteil des echten Winters: die Sichtbarkeit der ungeheuren Haufen nimmt natürlich zu, auf dem weißen Schnee. Ein Dilemma.

Neulich habe ich eine große, alte, ungepflegte Töle auf dem Gehweg der Rumfordstraße allein Richtung Reichenbachplatz trotten sehen. Auf dem winzigen grünen Dreieck vor dem Drogeriemarkt, stehen zwei Bänke, für auf die Tram Wartenden. Die allein daher trottende Riesentöle hat sich ganz selbstverständlich, während ich da stand, hinter den Wartebänken im Grün erleichtert. Ein riesiger Haufen. Dann ist das Viech selbständig wieder die Rumfordstraße runter getrottet. Das hat mich dann aber doch interessiert, wo die offenbar aufs Kacken auf dem Reichenbachplatz trainierte Töle hin will. Hinein in ein Geschäft für Tierbedarf, „Ludwigswelt. Hund & Katz“ in der Rumfordstraße 16. Und das ist jetzt nicht als Werbung gemeint. Das Viecherl kann ja nix dafür.
Ich glaub´ ich spinn´!

FX Karl

E-PAPER: SUPER PAPER #111

ART: Javier Rodriguez