KUNSTRAUM MÜNCHEN

Kunstraum München


KUNSTRAUM MÜNCHEN – bis So. 11.03.

BLOOMING SIGNALS Bis zum 11. März kann man sich im Kunstraum noch Werke von James Gregory Atkinson, Natalie Czech, Sarah Lehnerer, Aykan Safo?lu und Monica Studer / Christoph van den Berg ansehen.

Wer kennt das nicht. Person A sagt „x“ zu Person B, die versteht „y“, wobei eigentlich „zweitausend“ gemeint war. Man denkt, einem wurde flirty zugezwinkert, dabei hat das Gegenüber nur nervöse Zuckungen. Man klickt irgendetwas an und auf einmal hat man ein Premium-Abo der FAZ.
So ist das mit Kommunikation, Botschaften werden mit oder ohne bestimmte Intention ausgesandt, nehmen irgendwo im verwirrenden Dschungel zwischen Sender und Empfänger eine falsche Abzweigung und kommen ganz anders an.
Mit diesem seltsamen Vakuum zwischen Beabsichtigtem und Rezipiertem beschäftigt sich die Ausstellung „BLOOMING SIGNALS“ im Kunstraum in der Holzstraße.
Die Kuratierenden Franziska Linhardt und Benedikt Seerieder haben sorgfältig internationale Künstler ausgewählt, die sich mit verschiedenen Herangehensweisen mit der Veränderung, Umdeutung, neuen Zuordnung oder dem Verlorengehen von Signalen jeglicher Art auseinandersetzen. Diese können ganz unterschiedlicher Art sein: Wir kommunizieren mit Tönen, Sprache, Schrift, Mode, Bildern, Codes.
Das Thema ist im Alltag meist irritierend und ermüdend, fast nie versteht einer etwas so richtig. In „BLOOMING SIGNALS“ wird jedoch klar, dass der Raum, in dem sich Signale bewegen, etwas Poetisches sein oder beherbergen kann.

Zum Beispiel bei „Stranger“, einem Werk von Monica Studer und Christoph van den Berg. Von einem Computer, der in den späten Achtzigern der heißeste Scheiß war und heute wie ein Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit wirkt, werden laufend von einem Algorithmus Töne aneinandergereiht, die zusammengefügt wie Vogelgezwitscher klingen. Gleichzeitig kann man die Klangsequenzen auf dem Bildschirm in Textform verfolgen. Die Töne würden einzeln wahrscheinlich nicht im Entferntesten an etwas Natürliches erinnern, in Kombination mit anderen jedoch ergibt sich der Gesang, mit dem Vögel sich untereinander verständigen. Studer und van den Berg heben damit einen Bestandteil der Natur in die digitale Welt und zeigen gleichzeitig, wie mathematisch dieser strukturiert ist.
Bei der Erstausstellung des Werks 1999 in einem Hotel in Thun (Schweiz) stand der Rechner neben einem offenen Fenster – und zog mit seinen Klängen echte Vögel an, die diese dann übernahmen und nachzwitscherten.
Auch Natalie Czech befasst sich in ihren beiden ausgestellten Werken „House / Jeans“ und „Paperdraft“ aus der Serie „to [icon]“ mit moderner Technologie. Die Künstlerin hat sich mit Symbolen aus Computerprogrammen auseinandergesetzt und festgestellt, dass diese in unterschiedlichen Apps verschiedene Bedeutungen haben.
Ein Haus steht zum Beispiel mal für „Bibliothek“, mal für „Status“, mal für „Speichern“. Diese den Icons zugeordneten Funktionen hat die Künstlerin zu Gedichten zusammengefügt, die sie sowohl auf den ausgestellten Bildern selbst als auch unabhängig von diesen als Buch veröffentlicht hat.
Czech findet Bedeutungsträger wie das Haus in Fotos von alltäglichen Kleidungsstücken wieder und markiert sie auf diesen mit Kunststoff, losgelöst vom ursprünglichen Kontext.
Alle auf den Bildern dargestellten Elemente haben mehr als eine Bedeutungsebene, die Symbole genauso wie die Kleider.

Bis zum 11. März kann man sich im Kunstraum noch Werke von James Gregory Atkinson, Natalie Czech, Sarah Lehnerer, Aykan Safo?lu und Monica Studer / Christoph van den Berg ansehen.
Noch ein heißer Tipp zum Schluss: Am letzten Ausstellungstag performt der Künstler Aykan Safo?lu um 16 Uhr!

Text: Lisa Genzken

WANN: noch bis 11. März 2018
WO: kunstraum muenchen, Holzstraße 10, Rgb.
WEB: kunstraum-muenchen.de