LOTHRINGER13 HALLE

Lothringer13


LOTHRINGER13 HALLE – Do. 12.12.

Lothringer13 Kurator Jörg Koopmann verabschiedet sich von der Halle mit einer letzten Ausstellung, die am 12.12. mit einer einmaligen Performance startet.

Titel der zweiteiligen Ausstellung: The outcome of the pattern 1&2, wofür er selbst den Teil 1_ongoing in der Halle entwirft und die dänische Partnerin Lene Harbo Pedersen den Teil 2_altering im Nest konzipiert. Welche Folgen von welchen Strukturen dabei betrachtet werden, dazu wird es in und zwischen den gezeigten Arbeiten viele Formulierungen geben.
Die große Halle bietet viel Raum für nur zwei Künstler. Der Japaner Hayahisa Tomiyasu, ehemaliger Meisterschüler von Peter Piller, bringt seine Fotosequenzen in homöopathischen Dosen an die Wände. Die Titel sind knapp, die Formate klein und die Präsentation minimal gehalten. Hayahisa bemerkt und verfolgt Prozesse die selbstredend sind, in ihrer Normalität überraschen und nicht in Konzepten stecken bleiben. Seine Serien erzählen von einem Nashorn das die Unendlichkeit beschreibt, von einem Penis bei einem Stadtspaziergang oder von Hayas Begegnungen mit einem Stadt-Fuchs. Bekannt wurde Hayahisa aber mit der Serie TTP, einer geduldigen Studie über Menschen und ihr Verhältnis zu einer Tischtennisplatte. So poetisch und amüsiert hat Fotografie den profanen Lauf des Lebens selten begleitet.
Raumgreifend kombiniert sind dazu dann die Arbeiten und die Anwesenheit der Künstlerin Oona Doherty aus Belfast. Die gefeierte Tänzerin kommt erstmals nach München und bringt eine neue Choreographie mit, die mit früheren Videoepisoden und einer Installation zu einem experimentellen Ausstellungsformat wächst. Oonas Planung ihres Münchner Auftritts beschreibt sie so direkt und schnörkellos wie sie auch tanzt: „I will present a work in three parts: Death of a Hunter instillation. (A nod to all the joyriders who have passed.), the Hard to be soft film series one to four, and Ketamin memories! Hunter slips into a stream of consciousness with 3 levels of transcendence: A: A mother’s Son, B: mistakes of a father. and C: An Angel. Dj truff truff closes the night.“
Kürzlich schrieb das britische Kunstmagazin Art-Review: „Oona Doherty beim Tanzen zu beobachten hat etwas Übernatürliches, als würde man dabei Zeuge wie eine Menschenmenge durch den Körper einer Frau drängelt und zappelt.“ In dem früheren Solo Hope Hunt wird sie übermannt von einer Art tänzerischem Tourette-Syndrom, mit obszönen Eruptionen aus tiefen Tiefen. Was nach Kontrollverlust klingt ist jedoch ein präziser und radikaler Wechsel ihrer Körpersprache. Dabei schaltet sie nicht einfach zwischen weiblich auf männ-lich umher, sondern verkörpert die vielfältigen Zerissenheiten in der Präsenz und dem Selbstbild der Leute, die Oona für ihre Choreografien in ihrem Umfeld genauestens studiert. Ein auf Bühnen rares, dynamisches und liebevolles Bild einer prekären working class, mit Bewegungsabläufen, Gesten und Mimik die alle Kanäle körperlich abgespeicherter Erfahrungen und Ticks durchzappen.
Die Halle für zwei Künstler die feinsinnig gegenwärtige Verhaltensmuster sezieren und in berührend direkte Sprache übersetzen können.
Die Strukturen erweitern sich eine Treppe höher im Nest, einem bewusst sehr dicht gefüllten Raum, in dem stetigen und natürlichen Veränderlichkeiten und deren Zuordnungen nachspürt wird. A small Salon for tiny and big creatures and creations nennt Lene Harbo Pedersen diese Verdichtung und versammelt Arbeiten von Thomas Breitenfeld, Böhler & Orendt, Liesel Brurisch, Mark Dion, Silas Inoue, Nina Sten-Knudsen, Mårten Lange und Guillaume Simoneau. Allesamt Arbeiten die verschiedenste Existenzen in grössere Verhältnisse und Perspektiven setzten und in enge Verbindungen bringt.
Harbo Pedersens verwandelt das Nest in einen zeitgemäßen Salon mit Referenz zu Idee des Französischen Salons, einem Produkt der Aufklärung. „Thinking of the given situation that has brought us to a new wave of enlightenment, a radical one, where values, ethics and language has to change. The French salons in the 18th century opened up to giving voice to women. I give space to that altering with purely feminine debating voices into ‘The Nest’ that can follow you on headphones, eyes wide opened or closed, with your mind opening. One can hear a danish singer who invented her own language for healing, a choir that salutes former times at Lothringer13, singing about algae’s and a million years ago. There’s also Kate and her political, emotional Tempest … and another singer wonders ‘Maybe I am like the River’ a mantra that might follow one for a while“ kommentiert Lene Harbo zwinkernd.
Diese Ausstellung tastet vielleicht auch leise und zwischen den Zeilen die Themen der Lothringer13 in den letzten knapp 6 Jahren ab. Letztlich, und gerade zur besinnlichen Zeit und dem Schritt in ein neues Jahrzehnt feiert The outcome of the pattern primär gute Energien und Hoffnung, von Ausdauer bis Zuversicht.

WANN: Performance und Start: 12.12. 2019 um 19 Uhr,
Ausstellung bis 26.1.2020,
Di-So 11-20 Uhr
WO: Lothringerstrasse 13
WEB: lothringer13