OPEN ART 2020

open art muenchen


OPEN ART 2020 – ab Fr. 11.09.

Frische Luft tut gut, aber es ist langsam wieder Zeit für ein paar Indoor-Aktivitäten. Galerien, Off-Spaces, Museen und andere Institutionen leiten den Kunstherbst ein. Hier sind die Shows, die ihr auf keinen Fall verpassen solltet.

Jahn und Jahn

Manchmal hört man A, versteht B und gibt C weiter. Kommunikation ist immer ein Entziffern von Zeichen, die zueinander in Beziehung stehen. Wo haben die Schatten ihren Ursprung? Unter dem Titel „Joker“ zeigt die Galerie Jahn und Jahn eine Ausstellung über das Sehen, Sprechen, Schreiben, Bildermachen und die Schönheit und Komplexität des Verarbeitens von Zeichen und Bezeichnetem. Die Ausstellung wurde vom Künstler Julius Heinemann zusammengestellt und soll sich der Freude an der Sinnfindung widmen. Für die Ausstellung kooperiert Jahn und Jahn mit der Thomas Dane Gallery aus London und der garcía | galería aus Madrid.

Kunstraum München

Unter manchen Umständen ist die einzig adäquate Aktion die Reaktion. Das Projekt „Responive Curating“ im Kunstraum reflektiert das Medium „Ausstellung“ im Kontext pandemischer Vorzeichen und digitaler Mechanismen. Der Kunstraum ist die zweite Station des Ausstellungsformates, das im indischen Bangalore startete. Die Arbeiten werden dabei an jeder Station nach bestehenden Instruktionen neu realisiert. So werden formale Prinzipien der Instruction-based Art der 1960er Jahre zitiert, jedoch um digitale Perspektiven erweitert. Zu sehen sind Arbeiten internationaler Künstler*innen, die die Möglichkeiten des Settings ausloten. Sollten die Arbeiten während der Ausstellung nicht verkauft werden, werden sie in den jeweils lokalen Entsorgungskreislauf integriert.

Kunstverein München

Manche können im Home Office arbeiten, andere verlieren ihren Job. Die einen hatten während des Lockdowns einen Garten, die anderen ein kleines Zimmer. Für viele Künstler*innen entfielen Ausstellungen und Finanzierungsmöglichkeiten. Während der aktuellen Pandemie sind die Strukturen und Verschärfungen sozialer Ungleichheiten besonders sichtbar geworden. Diesen Umständen kann die soziologische Kategorie „Klasse“ eigentlich nicht mehr gerecht werden. Unter dem Titel „Not Working“ widmet sich der Kunstverein dem Themenfeld künstlerische Produktion und soziale Klasse. Internationale Künstler*innen, Theoretiker*innen und Autor*innen wurden eingeladen, die gegenseitige Bedingtheit von künstlerischer Produktion und sozialer Klasse zu verhandeln.

Galerie Christine Mayer

Authentizität und Sehnsüchte, Partizipation und Isolation. Schein und Wahrheit. Unter dem wunderbar nostalgischen Titel „Kir Royal“ präsentiert die Galerie Christine Mayer in Zusammenarbeit mit Contemporary Fine Arts Berlin, eine gemeinsame Ausstellung von Thomas von Poschinger und Henning Strassburger. Thomas von Poschingers Gemälde und Fotoarbeiten legen die Mechanismen unserer medial gesättigten Gegenwart offen und werfen die Frage auf, was von der gesellschaftlichen Sphäre heute noch tatsächlich greifbar ist. Die Bilder von Henning Strassburger thematisieren die Ängste und Sehnsüchte einer ganzen Generation, in der die Illusion glaubwürdiger ist als jede Art von Realität.

Max Goelitz

Wer heute an die Zukunft denkt, dem kann schon mal flau im Magen werden, mutet doch die Gegenwart zuweilen bereits dystopisch an. Niko Abramidis &NE wirft den Blick voraus. Er untersucht Mechanismen der Finanzökonomie, fragt nach Arbeitsprozessen und Lebensformen. Unter dem Titel „NE><ECON“ installiert er seine Schaltzentrale in der Galerie Max Goelitz. Die umfasst unter anderem einen steinernen „Alpha Conference Table“, RFID-Chips sowie Wandobjekte mit Stahloberfläche. Die Inszenierung mutet futuristisch an und nimmt gleichzeitig den Verfall vorweg. Als müsse Machtdemonstration zwangsläufig zum Verhängnis werden. Doch für den Moment sieht das Ganze hervorragend aus.

Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst

Vielleicht wird am Ende ja doch noch alles gut. Das jedenfalls verspricht die Ausstellung von Andreas Greiner und Maximilian Prüfer in der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst dem Titel nach. „Everything is going to be alright“, heißt es da nämlich – vielleicht ist es ein Ausdruck der Hoffnung. Greiner und Prüfer fragen beide auf ihre ganz eigene Weise nach dem Gleichgewicht im menschlichen Umgang mit der Natur. Greiner hat eine Künstliche Intelligenz Bilder vom Wald erschaffen lassen, nachdem er sie zuvor mit Aufnahmen echter Wälder gespeist hatte – darunter der umkämpfte Hambacher Forst. Prüfers Arbeiten sind das Ergebnis einer weiten Reise, auf der er selbst anstelle von Bienen einen Baum bestäubt hat.

Galerie der Künstler

Jungen, aufstrebenden Künstler*innen bietet der BBK – Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler München u. Oberbayern e.V. auch in diesem Jahr wieder eine besondere Plattform. Im Rahmen der Ausstellung „DebutantInnen 2020“ werden Arbeiten von Jonah Gebka, Helena Pho Duc und dem Duo Hennicker-Schmidt gezeigt. Jonah Gebka malt das Alltägliche. Seine Figuren falten Wäsche, fegen Laub oder kopieren Dokumente. Er lässt sich bei seinen Motiven von Werbeaufnahmen und Stockfotos inspirieren. Helena Pho Duc malt farbenfrohe Aquarelle oder erschafft Skulpturen aus Porzellan. Das Duo Hennicker-Schmidt, bestehend aus Melina Hennicker und Michael Schmidt hat für die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Künstler Andreas Woller eine Arbeit erschaffen. Sie alle sind dem BBK bereits durch besondere Arbeiten aufgefallen, stehen aber noch am Anfang ihrer Karriere. In der Galerie der Künstler zeigen sie ihre neuesten Werke.

Galerie Rüdiger Schöttle

Der Baum ein stiller Zeuge, die Natur ein Archiv – bei Thu Van Tran geht es um Erinnerung. Leinwände traktiert sie mit Naturkautschuk und Baumstämme verfrachtet die Künstlerin auch mal am Stück in Ausstellungsräume. Nun sind ihre Arbeiten in der Galerie Rüdiger Schöttle zu sehen. Menschenleer und melancholisch, so könnte man Thu Van Trans Kunst beschreiben. Der Ausstellungstitel „H asHomme“ legt aber bereits nahe, dass der Mensch vielleicht doch irgendwie sichtbar wird. Besucher*innen erwartet eine raumgreifende Installation, Symbolik und vielleicht die ein oder andere Parallele zu Casper David Friedrich – die jedenfalls verspricht der Pressetext.

Los geht es mit der Open Art am Freitag, den 11. September. Ab 18 Uhr öffnen teilnehmenden Galerien und Institutionen ihre Räumlichkeiten. Für Samstag, den 12. September, und Sonntag, den 13. September, sind geführte Rundgänge geplant. Eine Übersicht sowie weitere Programmpunkte findet ihr unter openart.biz

Text: Anna Meinecke & Quirin Brunnmeier gallerytalk.net