OPEN ART SPEZIAL

Open Art 2017


OPEN ART SPEZIAL – Fr. 08.09. – So. 10.09.

Auf das Sommerloch folgt der Kunstherbst. Und während mit ein paar warmen Tagen doch bitteschön noch zu rechnen ist, kann die dritte Jahreszeit in Sachen Ausstellungen eigentlich nicht früh genug anbrechen. Wie jedes Jahr zelebrieren die Münchner Kunstinstitutionen die neue Saison mit einem Wochenende geballter Großartigkeit. Ein Wochenende lang ist OPEN art – und zwar vom 8. bis zum 10. September. Diese Ausstellungen solltet ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen.

Barbara Gross
„Alles gut und schön – und trotzdem sehr beschissen“, schrieb die Malerin Maria Lassnig einmal lakonisch in einem Tagebucheintrag. Die 2014 gestorbene Österreicherin musste lange auf ihren Erfolg warten, dafür kam dieser dann umso intensiver. Nach einem zunächst entbehrungsreichen Künstlerdasein wurde sie zu einer der Größten. Teilnahme an den wichtigen Biennalen, zweimal auf der Documenta, Ausstellungen in den großen Museen. Sie lebte in Paris und New York und kam erst spät wieder nach Europa zurück. In ihren “Körperbewusstseinsbildern” verhandelte sie Empfindungen, entgrenzte Körper und Bewusstsein. Die Galerie Barbara Gross zeigt unter dem Titel “Body Awareness” Druckgrafik aus New York.
WAS: Maria Lassnig “Body Awareness”
WANN: bis 14. Oktober

GALERIE Karin Sachs
Flecken, Falten, Fehler – klingt wie der Alptraum eines jeden Beauty-Fetischisten, ist aber genau das, was die Arbeiten von Markus Wülbern richtig gut macht. Er braucht kein unbeschriebenes Blatt Papier, um loszulegen, sondern nimmt zum Beispiel auch eins mit Teeklecksern. „Man muss loslassen und still sein, bis die Formen zu Figuren werden“, sagt Wülbern. Nach diesem Prinzip hat er über Jahre Notizzettel gesammelt, statt damit auf Mülleimer zu zielen. Eine Crowdfunding-Kampagne später wurde aus Zeichnung und Collagen „Das Bärenbuch“ – cartoonig, wortwitzig und eventuell Kunst. Dass darf der Betrachter bei Wülbern nämlich gern selbst entscheiden. Karin Sachs zeigt einige Originalarbeiten.
WAS: Markus Wülbern
WANN: Die Ausstellung läuft bis zum 14. Oktober.

Lothringer13 Halle
“The camera‘s ability to transform reality into something beautiful derives from its relative weakness as a means of conveying truth”, schrieb Susan Sontag in “Über Fotografie”.Bilder können immer nur kurze Einblicke geben, die Abgebildeten nur in einem Kontext zeigen. Und sie können etwas Schönes schaffen. Unter dem Titel “united states_pt1” zeigt Lothringer13 Bilder von Mark Steinmetz. Er gilt als Chronist des amerikanischen Alltagslebens, inszeniert die hitzigen Südstaaten der USA mit gekonntem und liebevollem Blick. In seiner ersten umfangreichen Werkschau in Deutschland sind Bilder aus den letzten drei Jahrzehnten zu sehen. Außerdem gibt es Einblick in alle zwölf bisher erschienenen Fotobuch-Monografien.
WAS: Mark Steinmetz „united states 1“
WANN: bis 8. Oktober

Karl Pfefferle
Er hat ein gammliges Ohr ins Gras gelegt und den „Red Room“ erfunden. Was noch immer nicht ganz so viele wissen: Bevor David Lynch zu einem der wichtigsten Filmemacher des Planeten wurde, hat er Malerei studiert. „Es gibt Dinge, die sich mit Worten nicht ausdrücken lassen. Die Malerei zieht sich durch alles andere hindurch“, findet Lynch und bietet damit gleich mal eine Lesart seiner Arbeiten an. Einige davon sind nun bei Karl Pfefferle zu sehen. Papierarbeiten, Bilder und Fotografien eröffnen einen Blick auf die ganz eigene abgedrehte Welt der Kinolegende. Die ist oft düster bis bedrohlich, ein kleines bisschen skurril, von Schrift durchzogen und unbedingt anziehend.
WAS: David Lynch
WANN: bis 4. November

Häusler Contemporary
Licht als Informationsträger, als eigenständiges, lesbares Phänomen. Seit den 1980er-Jahren kombiniert die österreichische Künstlerin Brigitte Kowanz Schriftzeichen, Codes und Lichtquellen zu komplexen Arbeiten, die den Prozess d§er Wahrnehmung und des Verstehens im Zentrum haben. Aktuell ist eine ihrer Installationen im Österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig zu sehen. Anknüpfend an diesen für die Lagunenstadt entwickelten Werkkomplex zeigt sie bei Häusler Contemporary München unter dem Titel “Codes and Cables” Arbeiten, die sich dem immer schneller werdenden digitalen Wandel widmen. Aus was besteht das Internet denn auch? Aus Computer-Code und Kabeln.
WAS: Brigitte Kowanz “Codes and Cables”
WANN: bis 31. Oktober

Micheko GALERIE
Das nächste Foto ist heute immer nur einen Tab entfernt. Es ist ein alter Hut: Die ganze Digital-Kiste hat das Medium verändert. Wie aber wäre es, wenn man sich für eine Aufnahme tatsächlich einmal ganz viel Zeit ließe? Und damit ist jetzt keine stundenlange Nachbearbeitung am Computer gemeint. Tokihiro Sato fotografiert mit einer Belichtungszeit von bis zu zwei Stunden. Seine Motive findet er in der Natur. Es sind Landschaften – ein Fleckchen Wald, ein Stück Küste. In seiner Kulisse stellt der Künstler kleine Spiegel auf. Deren Reflexionen blenden die Kamera und hinterlassen mystische Leuchtpunkte wie Glühwürmchen auf den Aufnahmen. „Skulpturen der Zeit“, nennt Sato das. Zu sehen sind die in der Micheko Galerie.
WAS: Tokihiro Sato
WANN: bis 21. Oktober

MaximiliansForum
Zerstörung und Desaster üben einen ganz besonderen Reiz aus. Unzählige Bücher, Filme und Geschichten widmen sich der Apokalypse und der Zeit danach. Die Welt einstürzen zu lassen, ist ja auch spannend. Babylonia Constantinides nutzt nun den unterirdischen Raum des Maximilians Forums als Setting für ihr installatives Projekt “Schwarze Spiegel”. In diesem städtischen Kunstraum soll ein öffentlich zugängliches postapokalyptisches Environment entstehen, in dem auch die Dreharbeiten für einen Videoparcours stattfinden werden. Realität und Fiktion überlappen sich, München wird zu einer kontaminierten Landschaft.  Zur OPEN art wird den Besuchern ein Einblick in die Rauminstallation gegeben, ab Oktober kann der Videoparcours durchschritten werden.
WAS: Babylonia Constantinides WANN: bis 11. November

Kunstpavillon
Einatmen, Ausatmen. Dazwischen ein kurzer Augenblick. Was passiert da? Existiert da ein Moment und kann man das festhalten? Mit Holz, Styropor oder Kreide, Gips, Papier oder Porzellan erschafft Kathrin Partelli Skulpturen, die die Zeit im Raum verorten. Ihre Installationen wirken minimalistisch, dadurch jedoch nicht minder komplex. „und nie gewesen scheint“ oder „Leerstellen“ – so lauten Titel von Partellis Arbeiten. Behutsam zwingen sie den Betrachter zu Fragen nach der eigenen Position. Die Antworten lassen sich dann meist in Zwischenräumen vermuten. Irgendwas zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Licht und Schatten, Wirklichkeit und Schein.
WAS: Kathrin Partelli
WANN: bis 22. Oktober

Text: Anna Meinecke & Quirin Brunnmeier / gallerytalk.net

WANN: Öffnungszeiten aller teilnehmenden Galerien:
Freitag 18-21 Uhr, Samstag/Sonntag 11-18 Uhr.

WO: Überall in München. Eine Übersicht aller teilnehmenden Institutionen findet ihr unter openart.biz