POLITIK IM FREIEN THEATER

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POLITIK IM FREIEN THEATER – Fr. 09.11.

Im Kontext des Festivals „Politik im Freien Theater“ / 1. bis 11. November 2018 / 8. + 9.11. Zvivzdal (Chernobyl – so far so close) an den Kammerspielen

Nach dem Nuklearunglück von Tschernobyl 1986 verweigern Pétro und Nadia, damals beide weit über 80, die Evakuierung und bleiben als einzige allein in ihrer Heimatstadt Zvizdal zurück. Über 30 Jahre lebt das Ehepaar als Selbstversorger völlig isoliert in der Einöde, ohne Nachbarn und Familienangehörige, ohne Einkaufsmöglichkeit, Verkehrsanbindung, Strom, fließend Wasser und Telefon.

Die Journalistin und Dramaturgin Cathy Blisson und die belgischen Multimedia-Künstler Bart Baele und Yves Degryse, zusammen bekannt als die Theatergruppe BERLIN, besuchten das Paar zwischen 2011 und 2016 regelmäßig in der Todeszone. Mit Hilfe von Filmaufnahmen und Interviews dokumentierten sie eindrucksvoll den entbehrungsreichen Alltag in der Abgeschiedenheit, den Umgang mit dem Alleinsein, die seltenen Besuche, ihre Lebenseinstellung und die zunehmend schwerer zu meisternden Herausforderungen, die eine komplett autarke Lebensweise im fortschreitenden Alter mit sich bringt.

Auf Grundlage der langjährigen Recherchen ist eine berührende, multimediale Performance über Einsamkeit, Über­leben, Armut, Hoffnung und die Liebe zweier alter Menschen entstanden. Die fil­mischen Aufnahmen werden durch mehrere maßstabsgetreue Modelle des realen Lebensraums von Nadia und Pétro ergänzt. Die werden immer wieder live in den Film eingebracht. Auf diese Weise entsteht eine eigene filmische Bühnensprache, die sich jeder Genrezuschreibung entzieht.

Die Produktion „Zvizdal“ lenkt den Blick des Publikums auf Menschen, deren Lebensgrundlage durch eine atomare Katastrophe dauerhaft zerstört wurde. Wie lebt man in einer Gegend, die aufgrund der allgegenwärtigen Strahlung komplett von der Weltwirtschaft abgeschnitten, ja beinahe von der Landkarte gelöscht ist? Wie kann das Theater Menschen und ihr Leben porträtieren, ohne sie zu kapitalisieren?

„Zvizdal“ ist ein vielschichtiger, sensibler und respektvoller Abend. Er erinnert daran, welchen Preis die globalisierte Weltgesellschaft für ihren Komfort zu zahlen bereit ist. Die starrköpfige Entscheidung von Pétro und Nadia, sich nicht ins urbane Leben einzugliedern, ermöglicht uns einen Ausflug auf die Kehrseite privilegierten Lebens. Am Ende werden so auch etablierte Ideen von Armut und Reichtum in Frage gestellt.

WANN: Freutag, den 09. November 2018, 20.45 Uhr
WO: Münchner Kammerspiele
WEB: politikimfreientheater.de