RASTER-NOTON

Raster Noton


RASTER-NOTON – Mi. 09.05.

Von 10. Mai bis 08. Juli 2018 steht der Kunstbau der städtischen Galerie im Lenbachhaus grafisch, installativ und musikalisch ganz im Zeichen des Chemnitz-Berliner Experimentallabels raster-noton.

Der Grund dafür ist die Licht-Klang-Installation “White Circle” die für das zwanzigjährige Bestehen von raster-noton 2016 in Zusammenarbeit mit dem ZKM | Institut für Musik und Akustik in Karlsruhe konzipiert wurde.
Kuratorisch als auch selbst als Musikproduzenten verantwortlich für 175 raster-noton Veröffentlichungen sind der Grafiker und Musiker Olaf Bender, der Videokünstler und Musiker Frank Bretschneider und der Künstler und Musiker Carsten Nicolai. In den letzten 20 Jahren erschienen auf der und durch die raster-noton Plattform aber nicht nur musikalische Produktionen von KünstlerInnen, akademisch ausgebildeten MusikerInnen, Noise-PioneerInnen, ClubmusikerInnen oder klassischen InstrumentalistInnen, sondern auch Bücher, DVDs und Kunstdrucke sowie Installationen und Kollaborationen mit Institutionen, ModedesignerInnen, Museen und Festivals auf der ganzen Welt.

Um einen Einblick in die Gedanken der Macher des Labels zu ermöglichen, hat die Super Paper Redaktion einige Positionen aus einem Interview des Musikjournalisten Max Dax mit Carsten Nicolai und Olaf Bender für das raster-noton: “source book 1”. 2017. als Zitat-Aufstellung neu zusammen “gepasted”. Den Sound und die Visuals dazu können am Mittwoch den 09. Mai 2018 im Kunstbau ab 19:00 Uhr und danach im Blitz Club auf der Museumsinsel live erlebt werden.

Carsten Nicolai & Olaf Bender (nachfolgend C.N. & O.B) über die DDR in den 1980er Jahren:

“Professionalisierung war … gleichbedeutend mit Konformität.”

“Wir waren Autodidakten die auch Musik machten.”

“Wir hatten eine ablehnende Haltung gegenüber der etablierten Kunst.”

“Das Establishment war in jedem Fall zu umgehen!”

“Man konnte vieles in der DDR in Erfahrung bringen, aber es war nicht leicht herauszubekommen, was nach Stockhausen passierte.”

“John Cage (Anm. d. Red.: zu hören oder zu kaufen) war geradezu ein Ding der Unmöglichkeit.”

“Eigentlich wurde die gesamte westliche akademische Nachkriegs-Avantgarde im Osten totgeschwiegen und ignoriert.”

C. N. & O. B. über Kapitalismus:

“Im Kapitalismus erleben wir jetzt … eine trügerische Freiheit – denn kaum ein Künstler nutzt sie, um radikale oder spirituelle Positionen zu formulieren.”

C. N. & O.B. über Techno als Gegenwartsphänomen während der Wiedervereinigung von Ost- und West-Berlin:

“Techno war nicht nur in musikalischer und ideologischer Hinsicht interessant … . Für uns waren die Labels auch in Hinsicht auf ihre Distributionssysteme interessant, weil sie Zugang zu einem internationalem Netz an Schallplattenläden hatten, die neben der anonymen … Clubmusik auch experimentelle elektronische Musik verkauften.”

“… schnell haben wir uns darauf geeinigt, unsere Ost-Herkunft nicht zu verleugnen.”

“Wir sind ein bisschen steif und haben keine angloamerikanischen Wurzeln.”

C. N. & O.B. zur Methode:

“Für uns war Sound Strom.”

“… es (war) ein hochgestochenes Statement ein neugegründetes Label eben nicht “Label” sondern “Archiv” zu nennen.”

“Es wurde ein positiver Anspruch formuliert.”

“… gleichzeitig ging es um Ton … im weitesten Sinne um Geräusch.”

“Wir hatten keinen Plan, obwohl der Name des Labels einen Plan suggerierte.”

“Ich will doch keine Musik machen!”

“Für Carsten war der Begriff “Musiker” fast eine Beleidigung.”
“Wie waren vom Selbstverständnis her keine reinen Musiker mehr.”

“Neutrale Abstraktion (statt) große Emotion.”

“… Meister des Weglassens.”

“Die Ostalgie war uns ein Gräuel.”

“Wir suchten nach einer audiovisuellen Sprache, die nicht sofort zu verorten sein sollte.”

“Wir wollten, dass unsere Produkte im Plattenladen in Tokio stehen.”

“… eine neue Ästethik des Digitalen finden.”

“Das war ja nicht nur für uns ein Thema.”

“… Hang zum Puritischen”

“An der Sinuswelle (…) abarbeiten. Oder an elektronischen Impulsen.”

“Das war Null Entertainment in unserer Musik”

“Uns erschloss sich nicht, weshalb man unsere Platten live aufführen sollte.”

“… Hörer (haben) teilweise regelrechte Schmerzen empfunden.”

“… die Sounds taten weh.”

“Die Vibrationen lockerten die Halterungen der Lampen an den Decken, bis diese runterflogen.”

“… elektronischen Sound physisch erfahrbar machen.”

“Wir loteten Grenzen aus.”

“Was passiert, wenn ich weißes Rauschen verstärke und eine Stunde lang laufen lasse?”

“Wer weiß? Wenn wir mit Stockhausen, Pierre Schaeffer und Can vertrauter gewesen wären, vielleicht hätten wir gar nicht mehr geforscht, sondern hätten gleich woanders angesetzt?”

“Wir fanden Computer toll. Uns gefiel das Soziale an diesen Maschinen. Wir konnten mit ihnen heute Musik aufnehmen, morgen einen Film schneiden und parallel ein Buch mit Texten setzen. Aus heutiger Sicht war diese Faszination … naiv. halfen wir … als “aktive user” damit, dieses Potential zur kommerziellen Ware zu überführen und uns letztlich wieder bevormundet zu fühlen.”

“Wir waren an unserer Generation und ihren digitalen Möglichkeiten mehr interessiert als an deren Geschichte.”

“Ich freue mich über jedes Aha-Erlebnis, das mit dem Hören einer alten Elektronikplatten einhergeht. Es ist super, das Leute in den Sechzigerjahren ganz ähnlich Konzepte verfolgt haben wie wir drei Jahrzehnte später.”

Position/ Einschätzung von Max Dax:

“Nicht unwichtig: Ihr habt auch Neuland betreten, was die Visualisierung von Musik anbetrifft. Da gibt es mindestens zwei Ebenen. Zum einen die Schallplattenhüllen und –verpackungen. Zum anderen gibt es die Sichtbarmachung von Musiksignalen zum Beispiel auf Konzerten.

White Circle
Eine Licht- und Sound-Installation von raster-noton
Kunstbau/ Städtische Galerie im Lenbachhaus
Luisenstraße 33, 80333 München
www.lenbachhaus.de

ERÖFFNUNG
Mi, 9. Mai 2018, 19 Uhr im Kunstbau – Eintritt frei

PARTY ab 22 Uhr Blitz Club, Museumsinsel 1
23.15 Uhr Frank Bretschneider – Liveshow
00.00 Uhr Byetone – Audiovisual Show
01.00 Uhr Kangding Ray – Audiovisual Show
02.00 Uhr Mieko Suzuki – DJ-Set
04.00 Uhr Skee Mask – DJ-Set
Eintritt bis 24 Uhr frei

Wo: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau
WO: Lenbachhaus, Georg-Knorr-Saal, Luisenstrasse 33
WEB: lenbachhaus.de