SPIELART FESTIVAL 2019

Spielart


SPIELART FESTIVAL 2019 – ab Fr. 25.10.

Ab dem 25. Oktober findet in München wieder das Spielart Festival statt

Der in Angola geborene Künstler Nástio Mosquito, der mittlerweile in Gent sowie Lissabon lebt, ist sich sicher, dass jeder sich für etwas interessiert; mehr noch – für eine Sache Sorge tragen möchte. »Care«, das klingt schnell mal banal. Nach Care-Paket von Mama und »Sharing ist Caring, haha na gut, ok du kriegst die Hälfte von meinem Tortenstück«.
Sich um etwas sorgen wiederum – das klingt ernst. Das klingt nach Bange und Existenzangst, aber auch Fürsorge und gutes Zutun. Und im politischen Kontext, den auch die zahlreichen Künstler und Künstlerinnen der diesjährigen SPIELART-Ausgabe ableiten, lässt sich auch Sorge tragen dafür, dass jeder Einzelne gehört wird mit seinen oder ihren persönlichen Erfahrungen. »Everyone cares about something«, für manche ist das Hilfe für Gewaltopfer. Gerechtigkeit für die LBGTQ-Community. Nachhaltigkeit unseren Konsum betreffend. Faire Verteilung von Wohnraum, Zugang zu Bildung, Hilfestellung bei Obdachlosigkeit. Gleiche Bezahlung bei gleicher Leistung. »Everyone cares about something«.

Das Theaterfestival Spielart existiert seit 1995 und zeigt in erster Linie freie Gruppen, die einen experimentellen Zugang zur Kunstform Theater pflegen, unkonventionelles neues Theater, das sich über alle geographischen und inhaltlichen Grenzen hinweg setzt. Und wo man über Grenzen spricht, ist man heute auch schnell bei der Politik gelandet und deren Umgang mit allen, die Grenzen im buchstäblichen Sinne überschreiten möchten. Daher ist die diesjährige Ausgabe von Spielart vielleicht ungeahnt persönlich – denn die Erfahrung, die ihre Protagonisten mit einflechten, sind etwa Tod oder Krankheit eines Angehörigen, wie Stacy Hardy in Laila Solimans »Museum of Lungs« eindrucksvoll zeigt. MUSEUM OF LUNGS). Sello Pesa porträtiert wiederum den südafrikanischen Alltag, in dem Gewalt ständig präsent ist. Viele Akteure erzählen von Krieg, Flucht und Migration, von der Kunst zu überleben, und der Kunst als solcher, die sich aus diesem Überlebenskampf schaffen lässt, die immer auch vom Überlebenswillen zeugt. Viele der Arbeiten eint ein Kampf gegenüber rassistischen, neoliberalen Strukturen; sie möchten diese aufbrechen, untersuchen, sezieren.

Als Festival im Festival kommt »News Frequencies« mit ins Programm. Das letzte SPIELART Wochenende ist ganz den neuen Stimmen der internationalen Theaterlandschaft gewidmet: An zwei Tagen wird ein dichtes Programm aus Abschlussarbeiten und Erstlingswerken gezeigt, aus denen die enorme Vielfalt deutlich wird. Die formale Spannbreite reicht vom
Well-Made Play über Lecture- und Storytelling-Formate bis hin zur partizipativen Performance
und einem Rockkonzert, das von Puppen bestritten wird. Einige Arbeiten sind eher autobiografisch, andere arbeiten historische Akten oder Auseinandersetzung mit Traditionen auf. Utopien sind ausdrücklich erlaubt!

Thematisch vertieft werden die Theaterstücke zudem auch durch Gespräche und Diskussionsrunden, die das ganze Festival über das Line Up komplettieren. Hinzu kommt ein Vermittlungsprogramm, und erstmals auch eine Serie nur für Schüler.
Bei der politischen Bildung, der Melancholie, der Wut und dem Widerstand soll es nicht bleiben – auch zum Feiern gibt es genug Grund. Und wenn es nur die durch Spielart entstehende Einheit ist: »Everyone cares about something«, das verbindet.

Text: Sonja Steppan

WANN: 25.10. bis 9.11.2019
WO: Verschiedene Spielstätten
WEB: spielart.org