SUPER PAPER BOOK CLUB MARCH

SP Book Club


SUPER PAPER BOOK CLUB MARCH

Unsere Super Paper Book Club Empfehlungen für März 2020

»Der Freund« von Sigrid Nunez

Es gibt eine Passage in »Der Freund«, da entdeckt die Protagonistin, wie sehr Apollo es liebt, vorgelesen zu bekommen, und so liest sie ihm Rilkes Briefe an einen jungen Dichter. Als sie an die Stelle gelangt, an der er seine Definition der Liebe kundtut, spürt man als Leser, dass dieses Zitat die Basis des Buchs, der Freundschaft zwischen Autorin und Hund, der Freundschaft zwischen Autorin und dessen verstorbenen Besitzer bildet, nämlich »daß zwei Einsamkeiten einander schützen, grenzen und grüßen.«

»Der Freund« thematisiert nicht nur den Verlust eines geliebten Menschen, sondern auch die enge Bindung zu einem Haustier, die von Trauer geprägt ist. Sigrid Nunez gelingt ein Ton, der von Leichtigkeit, Eloquenz und Witz sprüht, der schnell Vertrauen weckt und auch Bewunderung für die brillante Autorin, die nicht nur ungeheuer belesen scheint, sondern auch allerlei Querverbindungen herstellt, zum Literaturapparat, zur Pädagogik, zur Sozialarbeit und dem täglichen Leben in New York. Während sie die Beziehung zur Dogge aufbaut, die deren Besitzer ihr hinterließ, als er Selbstmord beging, schreibt sie elegant und menschlich über Freundschaft, Liebe, Sex und die Überwindung von Trauer. Übersetzt wurde Nunez’ Text von Anette Grube, deren Wortgewandtheit und Präzision man vielleicht von Übersetzungen Chimamanda Ngozi Adichies Bücher kennt. Sie trifft den Ton so schön, dass man gegen Ende proportional immer langsamer liest, um zu vermeiden, dass dieses wunderbare, gewichtige Werk vorbei sein könnte.

Erscheinen im Aufbau Verlag

»Der fünfte Kanister« von Hank Schmidt in der Beek

Für den freien Künstler Hank Schmidt in der Beek haben Scherz, Satire und Ironie nicht nur eine tiefere Bedeutung, sondern auch einen zentralen Wert für seine Publikationen. So lässt er sich für seine Arbeiten von großen Künstlern wie Savador Dalí, Pablo Picasso oder Vincent van Gogh inspirieren, findet aber stets einen eigenen humorvollen Twist. Getreu dem Credo des berühmten Münchners Karl Valentin – »Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische.« – kombiniert Schmidt van der Beek in seinen Collagen auf vergnügliche Weise das inhaltliche Repertoire der modernen Kunst mit Comicfiguren wie Goofy oder die Panzerknacker, und schafft so völlig neue gestalterische Zusammenhänge.
Mittig im Buch findet sich eine mehrseitige Passage von Leonhard Hieronymi, der in diesem Bookclub kein Unbekannter ist. Mit gewohnter Akribie schildert in »Falke auf eine Taube stoßend« – damit ist im Übrigen der Text selbst gemeint – von einer Begegnung mit Schmidt in der Beek, bei der er angeblich kurz versucht gewesen sei, ihn zu siezen und dann dachte: »Kunst ist doch keine Regressionsform!«

Erschienen bei Starfruit Publications

Empfohlen von Sonja Steppan und Roxana Höchsmann