SUPER PAPER BOOK CLUB RECOMMENDS

Agnes Ricart


SUPER PAPER BOOK CLUB RECOMMENDS

To read to got to. Superpaper Book Club

#roman:

TO READ:

#flugschrift

TIEFROT UND RADIKAL BUNT von Julia Fritzsche Was machen wenn der slightly racist uncle beim Osterbrunch mal wieder zu weit rechts abgebogen ist? Wie mit ihm reden? Was ihm sagen? Die Münchner Journalistin Julia Fritzsche plädiert in ihrer Nautilus Flugschrift für “eine neue linke Erzählung”, die sich statt einer neuen rechten Erzählung in unseren Köpfen festsetzen soll. Eine, die einerseits die soziale Frage völlig neu und den Kapitalismus wieder in Frage stellt, andererseits aber auch keinen Rückschritt in Sachen Diversity macht. Anhand großer Themen wie Care, Ökologie, Wohnen, Migration und Queerness zeigt sie, wo dies schon probiert wird und wie sich die aufgespürten Geschichten und feministischen, politischen und sozialen Entwürfe zu einer Erzählung zusammen führen lassen. Die Lektüre empfiehlt sich also für alle, die bei nächsten Familientreffen gut vorbereitet sein möchten und ganz klassisch: die Welt verändern möchten.
Edition Nautilus, 2019.

#kolumnen

MÄNNER von Johanna Adorján
Es verhält sich nun einmal so, dass die Hälfte der Menschheit aus Männern besteht. Aus guten Gründen ist es hilfreich, wenn sie wer dechiffriert. Johanna Adorján tut ebendies mit derart feingeistigem Humor und rhetorischem Geschick, dass man sich mit vielen männlichen Attributen erstmals beschäftigen möchte. Weshalb Florian Henckel von Donnersmarck trotz „Name wie ein Donnerhall, derselben Frisur wie Goethe und einer Gesamterscheinung, die man sich gut auf einer Kanonenkugel reitend vorstellen kann“ seinen KZ-Filmszenen lieber doch keine klagende Barockmusik unterlegen sollte. Warum zwei amerikanische Kunstsammlerinnen einen fiktiven Angestellten namens „Keith Mann“ erfanden, um ihrer Online-Plattform zu besseren kommunikatorischen Ergebnissen zu verhelfen. Man erfährt, dass eine generelle Angst vor Rechtsanwälten begründet sein kann, dass Jürgen sich auf würgen reimt, und Cato Fong (Burt Kwouk) den perfekten Job innehat. Es tauchen gleichwohl Prominente, Fahrlehrer, Ex-Freunde und Kai Bogert auf, deren Wesenszüge so herrlich nuanciert geschildert werden, dass man auf der letzten Seite gottfroh ist, Johanna Adorján nicht in der Rolle eines Trainers oder Kellners zu wissen, sondern als die formidable Schriftstellerin, die sie ist.
dtv Verlag, München, 2019

#lyrik

KOMMT HER IHR HEINIS ICH WILL EUCH TRÖSTEN von Ricarda Kiel. Ricarda Kiel baut gute Websiten, die nach dir riechen, gibt Kurse, wie bessere Texte mehr Kunden anziehen und sie schreibt dir Briefe. Außerdem schreibt Ricarda Kiel Gedichte. Ihr erster Gedichtband erschien im April in der Münchner Dependance des hochroth Verlags. Das schmale, selbstgebundene Büchlein enthält zutiefst ehrliche und eminent aktuelle Prosagedichte. Sie “will eine Stimmung bauen, / eine Wellnessanlage / für den unglücklichen Voxl im Exil” und empfiehlt uns Outfits für jede Gelegenheit. Postapokalyptisch, gülden oder lieber eines für die Zeit im Wald? Such’s dir aus! Flankiert sind die Gedichte von Kürzestgedichten, oft nur drei Worte, in Edding-Versalien. PILZE / SAGSTE / HASTE.
hochroth Verlag München, 2019.

TO GO TO:

Super Books, Haus der Kunst
10.+ 11.05.19

„Super Books“ – endlich eine coole Buchmesse in München? Der Titel lässt es zumindest vermuten und nach it’s a book in Leipzig und Miss Read in Berlin wurde es eh langsam Zeit! Aber was wird im Terrassensaal des Haus der Kunst ausgestellt? Autonome Künstlerpublikationen von mehr als 50 Künstler*innen, Gestalter*innen und alternative Verleger*innen. Dabei versteht sich „Super Books“ in der Tradition unabhängiger, individueller Orte, die sich seit den 1960er Jahren im Umfeld der internationalen, postavantgardistischen Kunstszene für Künstlerpublikationen und deren Rezeption gebildet haben. Klingt vielversprechend? Finden wir auch! Das Ganze findet im Rahmen der aktuellen Ausstellung: „Archives in Residence: AAP Archiv Künstlerpublikationen“ statt. See you there!

Schluss Jetzt – Von der Freiheit, sich zu trennen / Literatur Moths
02.05.2019

Die Autorin und Feuilletonistin Meredith Haaf ist spätestens nach ihrer Publikation „Streit! Eine Aufforderung“ exemplarisch und in Moderationssituationen gern gesehen. In der Buchhandlung Literatur Moths präsentiert sie allerdings nicht ihr eigenes Werk, sondern befragt Heike Blümner und Laura Ewertzu folgender These: Wenn die Frage „Gehen oder Bleiben“ mehr Zeit beansprucht als die Urlaubsplanung sollte man unbedingt gehen!
Das gleichermaßen hoffnungsvolle wie provokantes Sachbuch „Schluß jetzt. Von der Freiheit, sich zu trennen“ zeigt auf, weshalb Trennungen keine Katastrophe sind, wie man Beziehungen vom Ende her besser versteht, und sie uns so über unsere Gesellschaft verraten, wo wir stehen. Obacht: Der Abend ist kein Vortrag, sondern eine Diskussion, das Buch wiederum kein Ratgeber sondern ein Sachbuch als Debattenbeitrag.
Freuen darf man sich auf Standpunkte zu feministischen sowie finanziellen Aspekte von Trennungen, aber auch viele Referenzen zu Popkultur.

Empfohlen von Roxy Höchsmann und Sonja Steppan

Art: Agnés Ricart / agnesricart.in