WHAT ELSE EUROPE

What else Europe


WHAT ELSE EUROPE – bis 05.01.

“What Else Europe” began in 2015, sparked from the idea of gathering all kinds of creatives from all over Europe to inspire each other, create together, network and promote the idea of unity.

Aktuell blickt die Pinakothek der Moderne weit über die Pinselstriche Anselm Kiefers und Designtheorien der Niederländerinnen Hella Jongerius & Louise Schouwenberg hinaus und positioniert sich bereits im Foyer mit dem existenziellen Sujet: „DOES PERMANENCE MATTER?“ Eine Sonderausstellung in Kollaboration mit dem Architekturmuseum der TU beschäftigt sich ausführlich mit dem globalen Phänomen des ephemeralem Städtebaus, und temporärer Urbanität im Hinblick auf Bergbaustädte, religiöse und kulturelle Feste, sowie Flüchtlings- und Militärlager.
Der Münchner Thomas Mandl ist zwar an dieser hochaktuellen und signifikanten Exhibition nicht beteiligt, stellt jedoch ähnliche Fragen: Was bedeutet sozial relevante Stadtstruktur? Wie können Kulturschaffende die innerstädtischen Vorgänge beeinflussen? Auf welche Weise kann kreative Vernetzung eine Form von Einheit schaffen, die Nachhaltigkeit und Internationalismus prägt?  Mit WHAT ELSE EUROPE organisiert er aus diesem Grund ein jährlich über Silvester stattfindendes, einwöchiges Inspirationsprojekt in jeweils einer europäischen Stadt, das junge Kreative miteinander in Verbindung bringen und in Form von Studio-Begehungen, Workshops und Inputs für die künstlerischen Herausforderungen des kommenden Jahres ausrüsten möchte.
Heuer geht es als würdiger Nachfolger Portos und Venedigs nach Antwerpen; eine Kleinstadt, die nicht (!) in Holland liegt (*zwinker*), deren Ruf sich durch die Royal Academy of Fine Arts manifestiert und nicht nur die glorreichen „Antwerp Six“ – Dries Van Noten, Dirk Van Saene, Ann Demeulemeester, Walter Van Beirendonck, Marina Yes und Maison Martin Marginal – hervorgebracht hat. Insgesamt 24 Teilnehmer mit 20 Nationalitäten werden also die Stadt und ihre Co-Workingspaces, Karaoke-Bars und Museen erkunden, sich miteinander austauschen und sind vor allem deswegen für das Superpaper interessant, weil sie – nebst dem Creative Director Thomas Mandl – nicht gerade schüchtern aus München vertreten werden: Kevin Beaulier ist Digital Strategist bei EIGHTYDOTS, einer interaktive Agentur, bei der er in Sachen Branding beispielsweise NEFF, Mini und BMW berät. „I‘m a creative with big passion for people, design and digital media. I’m fascinated by human behaviour – how we relate to one another and what makes us who we are, and I’m in awe of the digital; its capabilities as a storytelling platform and the way in which it gives a face and voice to objects, brands, and businesses. I’m inspired by the details; the cut, form and finish that take something simple and make it stand out.“
Fasziniert vom menschlichen Verhalten ist auch Oliver Tippl. Er rief vergangenes Jahr das WUNDER Magazin ins Leben, das mit „The Timeless Issue“ seine erste Ausgabe präsentiert: Mit Kontributionen und Features unter anderem von Journalist Christoph Amend, Produzent Maximilian Bungarten, Bildhauerin Ana Saraiva, Balletttänzer Enno Kleinehanding, Solotänzerin Marina Kanno, Sängerin Larissa Sirah Herden oder dem Fotografen Christopher Schaller bietet er eine Steilvorlage und hat sich für das erste Cocktail-Event während dem Gallery Weekend in Berlin bereits mit VIU Eyewear zusammengeschlossen.
Mit Christoph Bauer ergänzt sich das Team um einen Städteplaner. Entgegen der eingangs genannten Beschäftigung der Pinakothek der Moderne mit temporären Bauten und Planungen, hat er eigentlich seinen Master über das doch eher dauerhafte Urgestein Berlin Westkreuz geschrieben. Auch wenn er sich nach eigenen Angaben seither gerne auch mal in der Hauptstadt der Bundesrepublik aufhält, ist der studierte Soziologe mit Schwerpunkt Urbanism in München garantiert gut aufgehoben.  Der Copywriter Tobias Fleck bringt nicht nur Texter-Qualitäten und Bundesliga-Kenntnisse in den Ring, sondern auch musikalische Fähigkeiten und hat nach eigenen Angaben bereits in pubertärem Alter Thomas Mandl das Bassspiel beigebracht. Für die jüngst gegründete Technologie-Firma HYPERGANIC nimmt Director of Design, Duy Anh Pham, teil. In den vergangenen sechs Jahren prägte er mit seinem Team nicht nur die Digitalisierung der Filmindustrie, sondern als Senior Experience Designer bei Adobe Systems auch die Entwicklung von SpeedGrade CC oder Premiere Pro CC. Die Software von Hyperganic ist eine logische Schlussfolgerung und Hinwendung zu Designprozessen in der Natur; sie formt die Welt des 3D-Druck und somit vielschichtige Designprojekte auf allen Ebenen des Manufacturing. Der Fokus der Projekttage liegt auf dem, was Thomas Mandl „respect, equality and integration of minorities“ nennt und mit den Werten der Europäischen Union gleichsetzt. Keine Überraschung also, dass er sich den EU-Enthusiasten Wolfgang Tillmanns als heimlichen Schirmherren wählte und heuer den vielfach ausgezeichneten Kurator, Publizisten und Werber Erik Kessels mit auf die Reise durch Antwerpen nimmt. bUnd schließlich kann auf die Frage, ob Permanenz einen Wert hat, durchaus schlüssig beantwortet werden: Ja! Die Permanenz von allumfassender Menschlichkeit, von klugem Fortschritt und von emphatischer Kreativität ist vor allem dann essentiell, wenn weltweite Migration, Pop-Up-Strukturen und temporäre Baustrukturen vorherrschen.

T: Sonja Steppan

WANN: 29. Dezember 2017 – 5 Januar 2018
WO: Antwerpen
WEB: whatelseeurope.com