ZWICKL APARTMENT

Lovelace Hotel Munich


ZWICKL APARTMENT – Do. 09.11.

48 Hours Paulaner München Zwickl Apartment / The Lovelace – A Hotel Happening

Ich sitze vor YouTube und rippe mir die feinsten Yugo-Boogie Tracks, die natürlich aus Kroatien, Montenegro, Serbien, Bosnien und Slowenien kommen per Clip Crab (Sic!) App. Der Grund dafür ist die Aftershow Party des Wiener Modemachers mit slavischen Wurzeln, Ilija Milicic der seine neue Linie HVALA MILICIC an diesem Abend in München vorstellt.
An der Wand im Zwickl-Apartment im Lovelace Hotel sah man ab 19:00 Uhr auseinander geschnittene und neu montierte Oktoberfest T-Shirts aus dem Jahr 2005, Germany! Everybody loves Vienna! Die Shirts würden mich teilweise in ihrer Form auch etwas an K&K Uniformen des 19. Jahrhunderts erinnern, smalltalke ich mit Ilija, er entgegnet:”Oder so Leute die besoffen anderen Leuten über der Schulter hängen.” In der Suite außerdem verteilt, an den Wänden, Plakate des Münchner Künstlers, Grafikers, Clubmacher Benjamin Röder der die Schrift auf das Foto-Editorial von Maša Stanic – eine Modestrecke mit eben dieser HVALA MILICIC T-Shirt Kollektion aufgenommen auf dem Wiener Prater – drauf gecopypastet hat.

So sieht sie aus die Welt. Hotellife! Das Leben in der ersten Welt zumindest! Drei Zimmer, eins mit weiß bezogenen Kuscheldoppelbett und vom Münchner Vorzeigekünstler Florian “man kann ihn nur lieben” Süssmayr designten, beziehungsweise das Immitat der zerkratzten Schrankwand, vor dem Bett statt des Fernsehers ein in Öl gemaltes Paulaner Bräu Bild aus der ehemals im Haus der Kunst ausgestellten Münchner Hell Serie. Das waren Motive im Münchner Bierumfeld, Karotischdecken mit Bier, Bierdeckel mit Strichen usw. Später am Abend wird sich auf diesem Bett F “Titel Thesen Tempramente” X fragen, ob man dieses Bild, circa 2 x 3 Meter jetzt auch einfach raustragen kann. Im klassischen highend Badezimmer (Schiefersteinwände, frei stehende Wadewanne etc.), das wie bei jeder guten Hotelzimmerparty als Kühlschrank missbraucht wurde, liegen schon einige Besucher in der Eiswürfelbadewanne auf den rauhen Mengen Paulaner Zwickl. Das Hauptzimmer der Suite ist der Dancefloor.
Alle drei Zimmer vereint eine von Boden bis zur Decke und Wand zu Wand durchlaufende Glassscheibe die den Blick auf den 1,5 Meter breiten und 25 Meter langen Balkon entlang der drei Räume freigibt. Glas meets Stahl meets Baum in einem wunderschön engen Hinterhof und die gegenüberliegende Hauswand auf der ein Film von Ilija Milicic gezeigt wird. Der Schriftzug OPEN umrandet von farbigen Glühbirnen erscheint im Loop! Hier leuchtet nicht München sondern eher New York oder Hollywood.
R. Schmitzcat, Kurator des bedeutensten Designmuseum der Welt steht in den nächsten neun Stunden neben mir am DJ Pult und schmunzelt verschwörerisch genüßlich in die Nacht hinein. “Unglaublich gut München untypisch hier. Eher wie Sao Paulo. Ist die Frau da vorne J. R.? Hat die ungefähr 20 Kilo abgenommen?”

Später werde ich zu einem Bekannten sagen das J. R. und ich letztlich am Telefon über einen Satz lachten, einem Satz der Alkoholiker-Verbrecher, die unter anderem laut S. P. vom O.M. Büro eine unglaublich beschissene Zahlungsmoral besäßen und mir zum letzten Mal vor ein paar Jahren in Berlin über den Weg gelaufen sind. Der Satz war in etwa:”Du, die Verbrecher haben mir jetzt echt verboten für die Super Pappe zu schreiben. Mit dem Beisatz, dass falls ich jetzt im ernsthaften Literaturkreis stattfinden wollen würde, dann ginge das natürlich gar nicht.” Dazu meinte einer der kritischeren Münchner Lästermäuler ihr Buch wäre aber eh ein schlechtes Buch,“… unglaublich voraussehbar wenn man auch nur einmal mit ihr gesprochen hat”.
Nan M. neben ihrem Künstler-Boyfriend Carsten F. stellt mir zu einem anderen Zeitpunkt ihre Tochter mit dem Satz vor: “Schau mal hier, der Nachwuchs!” Der offensichtlich minimal überforderte Nachwuchs schaut dennoch recht interessiert auf eine kreiselende Radio Televizija Beograd Scheibe von Zdenka Kovacicek, die als schlechtes Exemplar auf Discogs für € 90,- verkauft wird. Die Platte ist aus dem Jahrzehnt in dem ich auf die Welt kam. Scratch it. Die Nummer Elektra orientiert sich an frühen Giorgio Moroder Produktionen als er sich Einzelgänger nannte. Aus diesen Gedanken reisst mich Nadin H. die Macherin von Architecture Matters, dem wohl wichtigste Achitektur Symposium Münchens – jedes Jahr während der MCBW. Die ist ziemlich gut gelaunt und schlägt sofort ein Treffen bezüglich der Architecure Matters 2018 vor.
Auf dem Balkon hängt die exzellent angezogene Condé-Cosmo Gang neben der unterkühlten HFF Autoren Posse ab, diese Oktobernacht wird heiß. Paul Philip H., der Starautor (Neues von der anderen Seite) auf dessen nächstes Buch sich die intellektuelle Szene schon seit geraumer Zeit freut – der Erscheinungstermin der phänomenologischen Abhandlung über Wahrnehmungsprotokolle zur heimischen Pflanzenwelt ist auf Januar 2018 angesetzt – genau der blitzt mit wilden Augen und Haarschnitt, oder besser gesagt keinem Haarschnitt über den Dancefloor in Richtung Balkon. Drei Bier in der Hand. Beim letzten Gin&Tonic-Meeting an der Münchner Freiheit hatte er mir einen kurzen Blick in die Datei der Druckfahne des Buchs auf seinem Telefon offeriert. Die vom Bureau Borsche Zögling, Alexis Zurflüh grafisch gesetzten Baumbilder wirkten in der Tat psychedelisch! Die Schrift eh!
Auf der niedrigen Bank vor dem Fenster schaut sich der einst hochgehandelte und nun entspannte Malerfürst Klaus F. mit seinem sexy Soziologinnen-Girlfriend Judith W. nicht ohne die Absenz des leichten Stirnrunzelns die Szenerie im Raum an. Und über allem drohnt der wohl fnyceste Praktikant dieser Stadt Tristan “Weltmeister des Lächelns” K., Sohn von Hadley H. der eine Woche später vier Monate nach Südamerkia fliegen wird.

Im Stil dieser Anekdoten und in ähnlichem Kommunikationstempo geht der Abend weiter, bis gegen 03:00 Uhr die Anlage durchbrennt. Einer der Wiener Gäste fragt kurz vorher:”Haaaaaast’ du auch an Trääääiip?” “Ja, ich hass’ den auch!” “Na, ob’st den spuilen kaaaaanst?” “Nein tut mir leid, aber steck doch einfach dein Telefon an und ich mach Pause.” “Joaaaa, konnst don jötzt a Pause mooochn!” Mit dem Satz, “Gut, dann mache ich jetzt Pause” verlasse ich den Raum. Das ist der Schmäh den die weiblichen und männlichen Münchner Stenze, vor allem “Sucker Modus” Niklas “Roland” B. so lieben.
48 Hours ist, um es auf den Punkt zu bringen, neben der Werbestrategie Zwickel Paulaner dem Markt näher zu bringen (ganz geiles Bier eigentlich), ganz geile Firmen-Kulturförderung. Ganz geil eigentlich, weiter so! Nur auf Einladung. Unter der Headline „48 Hours“ lädt Paulaner zusammen mit der Kuratorin Lotte Puschmann Maler, Designer, Fotografen, Schauspieler und Musiker ein, eine Art temporäres Atelier im neugeschaffenen Zwickl-Apartment zu eröffnen. Als Artists-in-Residence werden sie dort ausgewählte Werke präsentieren und nicht zuletzt – in enger Anbindung an die Stadt – Neues produzieren.

T: Mirko Hecktor

Das Lied des letzten Abends:
Boban Petrovic – Svetski Osmeh

Demnächst:
9.11.17
FOTO
VERONIQUE GIROUD
DJ SET
PETER KRUDER

ZWICKL-APARTMENT
LOVELACE HOTEL
KARDINAL-FAULHABER-STR.
80333 MÜNCHEN
RVSP

WANN: Donnerstag, 09. November 2017, ab 19 Uhr
WO: The Lovelace – A Hotel Happening, Kardinal-Faulhaber-Straße 1
WEB: thelovelace.com